2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/085.md

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gesellschaftlichen Normen führe: »Die Persönlichkeit wird
dennoch stets ein System mit eigener, individueller
Konstitution sein, mit eigenen Zielen und Imperativen
innerer Integration, mit eigenen charakteristischen Formen
des Verhaltens in Lebenssituationen […]. Das Individuum
wird jedoch niemals in der Form in die Gesellschaft
sozialisiert, dass es nur ein standardisiertes Rädchen der
Maschinerie wird. Mutter, Familie, Schule, Gemeinde
weisen ebenso weit reichende und subtile Unterschiede
auf, wie die ursprüngliche Veranlagung der Individuen«
(Parsons 1968, S. 378). Beachtlich an diesem Ansatz ist
auch der Einbezug des organischen Systems, das erst in
jüngster Zeit durch neurobiologische Positionen in der
Sozialisationstheorie wieder an Boden gewinnt.
Der Beitrag von Parsons für die Sozialisationstheorie
gewinnt dann an Bedeutung, wenn der Austausch und das
Durchdringen von organischem, personalem und sozialem
System analysiert und dabei das Spannungs- und
Konfliktpotenzial in diesem Austausch herausgearbeitet
wird. Es wäre wünschenswert, die aktiven Aneignungs- und
Erschließungsleistungen des personalen Systems in die
theoretische Konzeption einzubeziehen und die bewusste
Reflexion eines Individuums über sein Verhältnis zur
inneren und äußeren Realität systematisch in der Theorie
zu verankern. Mit dieser Akzentsetzung läge eine Theorie
vor, die nachzeichnet, wie Individualität durch Sozialisation
erst gewonnen werden kann (Münch 1988, S. 426).
In der sozialisationstheoretischen Diskussion findet sich
heute kein Ansatz mehr, der sich explizit der
strukturfunktionalistischen Tradition zuordnet, aber ihre
Bezüge bestehen gleichwohl implizit fort (so der gleich
folgende Ansatz Niklas Luhmanns). Ein Beispiel hierfür ist
die Bezugnahme auf die Entstehung und Aufrechterhaltung
von funktionsfähigen sozialen Systemen. Ähnliches gilt in
diesem Zusammenhang insbesondere für die
funktionalistische Rollentheorie. Die hiermit verbundene