2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/084.md

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Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Stabilität im
Mittelpunkt. Dadurch ergeben sich theoretische
Engführungen: Persönlichkeit wird als »Spiegelbild« der
Sozialstruktur verstanden und deshalb der Aspekt der
Individuation als integraler Bestandteil des
Sozialisationsprozesses nicht ausreichend betont. Der
Theorie liegt eine überwiegend gesellschaftsbezogene
Konzeption von Persönlichkeitsbildung zugrunde. Sie
nimmt zwar psychoanalytische Theorieteile auf, da diese
aber nur additiv einbezogen werden, wird der einseitig
gesellschaftsbezogene Akzent kaum korrigiert.
Wegen der starken Orientierung am Begriff der sozialen
Rolle überwiegt eine passive Konzeption des menschlichen
Anpassungsprozesses an die Gesellschaft. Der Mensch wird
nicht als aktive Erschließerin und Gestalter der Umwelt
verstanden, sondern steht einer übermächtigen
Gesellschaft gegenüber, deren Einflüssen er sich kaum
erwehren kann. Individualität bildet sich gewissermaßen in
gesellschaftsfreien Räumen aus, fern von sozial genormten
Erwartungen und Sanktionen. Parsons unterschätzt damit
den Spielraum für die Entwicklung einer eigenen, vom
gesellschaftlich etablierten und institutionalisierten
Rollensystem abweichenden Persönlichkeit und damit auch
den Spielraum für Wertstrukturen und Handlungsziele, die
ein souveränes und distanziertes Rollenhandeln
ermöglichen. Kritikerinnen und Kritiker eines solchen
Denkens haben treffsicher von der
strukturfunktionalistischen Vorstellung des
übersozialisierten Menschen gesprochen (Wrong 1961).
In Parsons Arbeiten finden sich aber durchaus Ansätze,
die eine differenzierte Darstellung der Durchdringung von
organischen, psychischen und sozialen Systemen und
Strukturen leisten. Parsons weist mehrfach auf die
besondere Individualität jeder konkreten Person hin, die in
ihrer individuellen Sozialisations- und Lebensgeschichte zu
einer relativen Unabhängigkeit gegenüber den