2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/076.md

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gesellschaftlichen Lebensbedingungen (oder analog Person
und Umwelt) in einem Wechselverhältnis befinden. Dieses
Wechselverhältnis ist nicht der bloße Austausch zwischen
einem Subjekt und den objektiven Strukturen der Umwelt.
Vielmehr ist das Subjekt schon ein Produkt der
gesellschaftlichen Strukturen (weil Menschen Erfahrungen
machen, die dazu führen, dass sie subjektiv handlungsfähig
werden) und gleichzeitig diese gesellschaftlichen
Umwelten ein Produkt der menschlichen Handlungsweisen
sind. Wenn wir das Subjekt und das Objekt (also die
Umwelt) trennen, dann ist das immer nur ein analytischer
Kunstgriff. In dieser Realität sind diese beide Einheiten
unauflöslich (man kann hier sagen: dialektisch)
miteinander verbunden.
Durch diese Brille der unauflöslichen, dialektischen
Wechselverhältnisse sieht die Frankfurter Schule auch die
Entwicklung von Herrschaftsverhältnissen: Herrschaft ist
abhängig von Strukturen, die Menschen zu einem
bestimmten Verhalten bringen oder zwingen wollen.
Herrschaft trifft dabei aber gleichzeitig auf eine innere
Struktur des Individuums, die für solche
Herrschaftspraktiken ansprechbar ist, wodurch die
Menschen selbst die Strukturen aufrecht erhalten, die ihre
freie Entfaltung einschränken. Theodor W. Adorno fasst das
einmal wie folgt zusammen: »Die Massen ließen sich kaum
plumper und augenzwinkernd unwahrer Propaganda
einfangen, wenn nicht in ihnen selber etwas den
Botschaften vom Opfer und vom gefährlichen Leben [hier
als Ausübung von Herrschaft; Anm. durch die Verf.]
entgegenkäme. Darum hat man es angesichts des
Faschismus für notwendig erachtet, die Theorie der
Gesellschaft durch Psychologie, zumal analytisch
orientierte Sozialpsychologie zu ergänzen. Das
Zusammenspiel der Erkenntnis gesellschaftlicher
Determinanten und der in den Massen vorherrschenden