2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/064.md

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hergestellt werden kann. Seine Antwort: Die Gesellschaft
gestaltet die Persönlichkeit des Menschen nach ihren
Bedürfnissen, und zwar durch eine systematische
Beeinflussung der Gefühle und Einstellungen der
Menschen.
Diese Beeinflussung nennt Durkheim »socialisation
méthodique«, womit eine systematische und planmäßige
Beeinflussung der Einstellungen aller
Gesellschaftsmitglieder gemeint ist, die darauf zielt, sie so
zu formen, wie die Gesellschaft und ihre Ökonomie sie
brauchen. Die meisten Gesellschaftsmitglieder passen sich
den gesellschaftlichen Zwängen ohne Widerstand an und
verinnerlichen die sozialen Anforderungen, weil sie auf
diese Weise von den Vorzügen des Gemeinschaftslebens
profitieren.
Die »Internalisierung des Sozialen« ist für Durkheim die
entscheidende Voraussetzung für den Zusammenhalt und
das Funktionieren von komplexen Gesellschaften. Nur
wenn die Gesellschaft gewissermaßen in die Menschen
eindringt und ihre Persönlichkeit von innen her organisiert,
ist der Bestand von modernen Industriegesellschaften zu
sichern. Die gesellschaftlichen Normen, so Durkheim,
stoßen auf ein Individuum, das sich triebhaft, egoistisch
und asozial verhält und erst durch den Prozess der
Sozialisation gesellschaftsfähig wird. In diesem Sinn
versteht er wie Simmel Sozialisation als die
»Vergesellschaftung der menschlichen Natur«
(Durkheim 1973/1902). Gleichzeitig aber geht er auch aber
auch noch weiter.
Der Erziehungswissenschaftler Franzjörg Baumgart (geb.
1943) betont dies, wenn er schreibt: »Anders als viele
Pädagogen seiner Zeit beschrieb er Erziehung als genuin
gesellschaftliches Phänomen. Es war der erste große
Versuch, Erziehung (oder besser: Sozialisation) als
Bindeglied zwischen Individuum und Gesellschaft
systematisch zu beschreiben, die Form der Sozialisation