2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/063.md

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Heinz Abels (geb. 1943) und Alexandra König (geb.
1972), die eine sehr gelungene, erneute Lektüre Simmels
angeregt haben, pointieren das aus einer
Sozialisationsperspektive sehr anschaulich. Sie erörtern
zum grundlegenden Aspekt der Vergesellschaftung, dass
dieser »so etwas wie einen Zustand meint, eine
gesellschaftliche Form. Die Menschen, die in irgendeine
Erziehung zueinander treten, und alles um sie herum sind
vergesellschaftet. Man kann es aber auch in einem
prozessualen Sinne verstehen, dass Menschen in soziale
Beziehungen zueinander treten und sich so einander
vergesellschaften. In dem Augenblick, in dem Menschen
Beziehungen zueinander aufnahmen, treten sie, wie wir
gelesen haben, in Wechselwirkung, d. h. sie wirken
wechselseitig aufeinander ein. Ohne dass ihnen das
bewusst sein muss, wirken sie und werden bewirkt.
Natürlich hört dieser Prozess nie auf und geht so lange
weiter, wie die Individuen miteinander in Verbindung
stehen, aber gleichwohl kann man konstatieren, dass die
Wechselwirkung eine bestimmte, relativ dauerhafte Form
annehmen kann.« (Abels/König 2016, S. 7)
Die Theorie der sozialen Integration von Émile Durkheim
Für Simmel ist Gesellschaft also immer das Ergebnis eines
Geflechtes von Abhängigkeiten. Je komplexer die damit
verbundenen Wechselwirkungen werden, desto komplexer
werden auch Formen der Vergesellschaftung. Für Émile
Durkheim ist dieser Aspekt der zunehmenden Komplexität
nicht weniger entscheidend, er pointiert aber deutlich
stärker die Frage des Zusammenhaltes, der Stabilität und
der Integrationsfähigkeit unterschiedlicher Formen der
Vergesellschaftung. Durkheim stellte sich bei seiner
historisch vergleichend angelegten Analyse des Übergangs
von einfachen zu arbeitsteilig organisierten
Industriegesellschaften die Frage, wie in komplexen
gesellschaftlichen Strukturen soziale Integration