2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/050.md

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Produktive Realitätsverarbeitung im Lebenslauf (Prinzipien 3 bis 5)
Das dritte, vierte und fünfte Prinzip beinhalten eine
Konkretisierung und erste empirische Annäherung zum
Gegenstand Sozialisation. In diesem Kontext wird
schwerpunktartig eine lebenslaufspezifische Perspektive
eingenommen, die der Maxime folgt, dass Sozialisation als
ein lebenslanger Prozess der Interaktion mit inneren und
äußeren Anforderungen angesehen wird. Das dritte Prinzip
der Bewältigung lebenslaufspezifischer Anforderungen der
Realitätsverarbeitung fokussiert entsprechend darauf, dass
in jedem Lebensabschnitt Erwartungen an die Verarbeitung
der Realität vorhanden sind, die gesellschaftlich
mehrheitlich akzeptiert werden und als Normen der
Entwicklung gelten. Im Lebenslauf kommt es damit zu
einer ständigen Konfrontation mit neuen Situationen, die
jeweils mit angemessenen Formen des Handelns bewältigt
werden müssen.
Das vierte Prinzip der Bildung der Ich-Identität verstärkt
die Orientierung auf einige Aspekte der Bewältigung
lebenslaufspezifischer Anforderungen der
Realitätsverarbeitung. Sie fokussiert darauf, dass die
Fähigkeit eines Individuums erwartet wird, den Ausgleich
der Spannungen zwischen persönlicher Individuation und
sozialer Integration vorzunehmen. Diese Fähigkeit, die sich
im Aufbau einer Ich-Identität ausdrückt, beinhaltet die
hohe Bedeutung von Belastungen und Spannung im
Lebenslauf. Werden lebenslaufspezifischer Anforderungen
der Realitätsverarbeitung nicht bewältigt, ist der Aufbau
der Ich-Identität gefährdet oder sogar unmöglich. Von der
Ich-Identität eines Menschen ist zu sprechen, wenn über
verschiedene Entwicklungs- und Lebensphasen hinweg
eine Kontinuität des Selbsterlebens auf der Grundlage
eines positiv gefärbten Selbstwertgefühls und des
Empfindens einer Selbstwirksamkeit gegeben ist. Heute
werden diese Annahmen durch mannigfaltige Erkenntnisse