2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/035.md

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ökonomischen und politischen Lebens durch die
Umwälzung gesellschaftlicher Strukturen im Zuge der
Industrialisierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu
einem bedeutenden Thema geworden. Gesellschaften
wurden immer komplexer, weil nicht mehr alle Tätigkeiten
des täglichen Lebens unter einem Dach ausgeübt, sondern
arbeitsteilig zwischen Familie, Fabrik und
gesellschaftlicher Öffentlichkeit aufgeteilt werden. Jeder
Mensch spielt zunehmend mehr und vor allem sehr
differenzierte Rollen in ebenso unterschiedlichen
Kontexten. Damit wurde die Frage immer drängender, wie
trotz dieser Differenzierungen ein gesellschaftliches
Zusammenleben möglich sein kann. Alle Theorien, die im
19. und 20. Jahrhundert als »Gesellschaftstheoretische
Ansätze« auf diese Problematik reagieren, sind in der
Soziologie heute noch bekannt. Sie reichen von Karl Marx
bis zu Pierre Bourdieu. Ihre Stichworte sind in der Tabelle 1
genannt.
In den gesellschaftstheoretischen Ansätzen wurde
Sozialisation vorausgesetzt, sie ist Bedingung oder Resultat
des sozialen Miteinanders. Mit Ausnahme weniger Ansätze
erwähnen Gesellschaftstheorien das Thema selten explizit.
Sie waren und sind vielmehr so etwas wie die
Hintergrundfolie für das Denken über Sozialisation. Mit
sehr unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen: Für Marx
und die materialistische Gesellschaftstheorie ist es die
Annahme der Übermacht der wirtschaftlich-sozialen
Strukturen. Für die Kritische Gesellschaftstheorie ist es der
Blick auf Innenleben der Menschen, deren Triebleben und
Psyche an gesellschaftliche Zwangsverhältnisse angepasst
werden und dabei Leiden und Abwehr, das Bedürfnis nach
Triebabfuhr und Aggression erzeugen. In der
strukturfunktionalistischen und sozialen Systemtheorie
dominiert der Blick auf unterschiedliche Funktionssysteme
der Gesellschaft, so dass Menschen sich nur noch
rollenförmig anpassen und die »Codes« beherrschen