2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/034.md

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Er fordert eine »Socialisation méthodique« (eine Art
methodische Sozialisation). Für Georg Simmel, seinem
deutschen Pendant, ist »Socialisierung« der Vorläufer für
das spätere Fachwort »Sozialisation«, das er ähnlich wie
Durkheim herleitet. Für Simmel wie Durkheim ist die
Sozialisationsbedingung ein wesentlicher Faktor für das
»Gelingen« einer Gesellschaft, die ihre traditionellen Gleise
verlässt.
In der frühen Soziologie wurde darüber nachgedacht, wie
die »Sozialmachung« der Gesellschaftsmitglieder erfolgt.
Wie Dieter Geulen (1991) erstmals in seinem Überblick
über die Geschichte der Sozialisationstheorie
herausgearbeitet hat, wird in diesem Zusammenhang schon
seit dem frühen 19. Jahrhundert der Begriff »Sozialisation«
verwendet, was sich anhand des enzyklopädischen »Oxford
Dictionary of the English Language« aus dem Jahr 1828
dokumentieren lässt. Dort wird »to socialize« definiert als
»to render social, to make fit for living in society«.
Allmählich setzte sich der Begriff dann bis zum Ende des
19. und sehr intensiv ab dem Anfang des 20. Jahrhunderts
durch (Veith 1996). Dieser Strang ist in den soziologischen
Gesellschaftstheorien besonders gut abgebildet. Obwohl
damit Sozialisation eine Grundbedingung des Denkens über
das Soziale wurde, war das Detailwissen darüber, was als
Sozialisation zu verstehen ist, wenig ausgebildet. Dazu
gehörte auch die Frage, ob Sozialisation noch die
Möglichkeit offen ließ, dass Menschen sich von ihren
gesellschaftlichen Integrationsverhältnissen frei machen
und Individualität und Autonomie ausbilden können.
Gesellschaftstheoretische Ansätze
Die Spannung von Individuum und Gesellschaft, von
Integration als »zur Gesellschaft dazuzugehören« und
Individuation als »eine einzigartige Persönlichkeit zu sein«,
ist in der soziologischen Diskussion der Folgezeit immer
deutlicher wahrzunehmen. Sie ist mit der Veränderung des