2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/025.md

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soziologischen und psychologischen Propädeutik (im
Großabschnitt II.) vorgestellt.
Die Weiterentwicklung des Sozialisationsbegriffs
Die Definition von Sozialisation als »Vermittlung der
Gesellschaftsstruktur in das Innere des Individuums«
reflektierte die Etablierung der arbeitsteiligen
Industriegesellschaften (Baumgart 1997, S. 32). Diese
Sichtweise des Zusammenhangs von Persönlichkeits- und
Gesellschaftsentwicklung war durch die damalige
historische Konstellation beeinflusst (Fend 1969;
Goslin 1969; Münch 1988).
Heutige hoch entwickelte Gesellschaften sind keine
Industriegesellschaften mehr. Sie sind zu komplexen
Dienstleistungsgesellschaften geworden, die durch eine
große Vielfalt von sozialen und kulturellen Lebensformen
und durch ein komplexes Zusammenspiel von
eigenständigen Organisationen und Systemen
gekennzeichnet und weltweit miteinander verbunden sind.
Eine soziale Integration, die im Sinne Durkheims den
Gesellschaftsmitgliedern durch psychisch fest implantierte
Wert- und Symbolsysteme quasi aufgezwungen wird, ist
nicht mehr funktional, zumal nationale Gesellschaften
durch ihre internationale Verflechtung nur noch zum Teil
staatlich organisierte und überschaubare
Kulturgemeinschaften sind. Die sozialen und kulturellen
Bindungskräfte, die noch zu Zeiten Durkheims für die
soziale Integration in die Gesellschaft des Nationalstaates
sorgten, schwächen sich demnach der Tendenz nach ab,
wenn auch neue Zwänge berücksichtigt werden müssen,
die zu Zeiten Durkheims nicht absehbar waren.
Der von Simmel und Durkheim zugrunde gelegte Begriff
von Sozialisation als »Vergesellschaftung der menschlichen
Natur« muss entsprechend weiterentwickelt werden, da
moderne Gesellschaften nur mit selbstständigen
Persönlichkeiten funktionieren können. Entsprechend wird