2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/019.md

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Bildung ermöglicht ein reflektiertes Verhältnis des
Menschen zu sich selbst, sie schützt ihn dadurch gegen
soziale und kulturelle Funktionalisierung und sichert somit
seine Individualität. Bildung im Sinne von »gebildet sein«
beschreibt in diesem Verständnis eine normative (also
gewollte) Zielsetzung des Sozialisationsprozesses. Ein
Fehler kündigt sich aber an, wenn man den Begriff Bildung
so versteht, wie er in der heutigen Debatte über den
schulischen Kompetenzerwerb dominiert. Hiernach ist
Bildung die reine Anhäufung von Wissensbeständen, die
entweder theoretisch oder anwendungsorientiert
ausgerichtet sind und nicht immer die Eigenständigkeit des
Individuums fördern sollen, sondern seine optimale
Einpassung. In dieser Hinsicht ist der neuere
Bildungsbegriff eher funktionalistisch ausgerichtet, Bildung
ist nicht Selbstzweck, sondern Bestandteil und Funktion
des reibungslosen Integrierens in gesellschaftliche Formen
der Leistungs- und Arbeitsorientierung.
Der Pädagoge Armin Bernhard (2018) zeigt anschaulich,
wie die Herausformung des Bildungsbegriffs historisch
eingebettet ist: Zuerst ist er in Renaissance und
Humanismus (14. und 15. Jahrhundert) ein Kampfbegriff
gegen religiöse Mystik, dann Bestandteil der bürgerlichen
Befreiungsbewegungen gegen den Feudalismus. Erst in
jüngerer Zeit wird Bildung immer mehr als Bestandteil von
Prozessen der Ausbildung für die praktische Berufstätigkeit
verstanden, wogegen emanzipative Bildungstheorien gegen
die Gleichmachung des Individuums in gesellschaftlichen
Zwangsstrukturen (etwa in Autokratien oder in einem
entfesselten Kapitalismus), also für die Autonomie des
Individuums, eintreten.
Ein zweiter Begriff, der in einer engen Beziehung zur
»Sozialisation« steht, ist »Erziehung«. Dieser Begriff
bezeichnet alle gezielten und bewussten Einflüsse auf den
Bildungsprozess (Oelkers 2001, S. 24). Als Erziehung
werden diejenigen Handlungen bezeichnet, durch die