2.9 KiB
Erfahrungen einer Spezialberatungsstelle in Stockholm
355
das Kind. Sie hat Schuldgefühle wegen ihrer Fehler als Mutter. Eigene traumatisierende Erlebnisse aus ihrer Kindheit werden wachgerufen. Wir geben ihr den Raum, über ihr Verhältnis zu ihren eigenen Eltern zu sprechen, aber auch über die Beziehung des Mannes zur Ursprungsfamilie. Sie versucht, den komplexen Zusammenhang, dessen Teil sie gewesen ist, zu verstehen. Sofern die Mutter zeitgleich einen individualtherapeutischen Kontakt in einer anderen Einrichtung wahrnimmt, wird das Gespräch mehr auf ihre Elternrolle gelenkt. Wir helfen ihr, ihre Autorität gegenüber den Kindern wiederzugewinnen und geben ihr viel Raum über die Bedürfnisse, Wünsche, Erwartungen jedes einzelnen Kindes, die Ausbrüche und das Verhalten zu reden, mit dem die Kinder Ausdauer und Grenzen der Mutter auszutesten versuchen. Die Mutter erhält das notwendige Werkzeug, um den Kindern aktiv zuzuhören und bei der Formulierung eigener Gefühle und Bedürfnisse unterstützen zu können. Sie erhält Hilfe, Ich-Botschaften wahrzunehmen und zu formulieren, Grenzen, ausgehend von den eigenen Regeln und Bedürfnissen, zu setzen, und wird dabei unterstützt, Kränkungen durch die Kinder zu verhindern, ohne diese dabei selbst zu kränken. Aktives Zuhören und IchBotschaften sind ihre Werkzeuge zur Lösung von Konflikten mit den Kindern
- ohne Gewalt und ohne Drohungen.
Die Arbeit mit der Familie Der dritte Schritt besteht in der Wiedervereinigung von Mutter und Kind in einem Raum. Die Mutter und die Therapeutin teilen all das mit, was für das Kind wichtig sein könnte bzw. Mutter und Therapeutin besprochen haben, z.B. die Pläne der Mutter für die nahe Zukunft, wie ihre Sicherheit geregelt wird, was mit dem Vater geschieht, welche Hilfe der Vater erhalten kann. Für die Kinder ist die Entlastung von Gefühlen der Verantwortung und der Sorge um die Eltern und sich selbst von besonderer Wichtigkeit. Sie stellen Fragen, von denen sie glauben, dass die Mutter diese Fragen nun hören und beantworten mag. Mitunter möchten sie auch nur über etwas sprechen, das nichts mit den gemeinsamen schweren Erfahrungen zu tun hat. Oftmals wollen die Kinder der Mutter aber auch ihre Zeichnungen zeigen und von ihrem Spiel im Sandkasten berichten. Auf diese Weise können sie der Mutter von ihren Erlebnissen erzählen, gleichzeitig aber auch ihre Fähigkeiten zeigen und diese bestätigt bekommen. Die Mütter verstehen dies und bestätigen ihr Kind in dem Gezeigten, ohne interpretierende Fragen zu stellen. Sobald das Kind sicherer im Umgang mit der Therapeutin geworden ist und erkennt, dass der Mutter geholfen wird und sie in ihrer Fürsorgefähigkeit gestärkt wurde, stellt das Kind auch schwierigere Fragen. Ältere Kinder fragen, warum die Mutter geschlagen wurde, warum sie gelogen hat, z.B. dass sie die Treppe heruntergefallen sei und nicht zur Arbeit gehen könne, warum sie nichts unternommen hat. Kleinere und unsichere Kinder benötigen bei der