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Erfahrungen einer Spezialberatungsstelle in Stockholm
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erkennen, dass er noch klein war, als die schweren Misshandlungen stattgefunden
haben, dass er den Vater nicht hätte aufhalten können. Mikael kann seiner großen
Furcht, die Mutter zu verlieren, Ausdruck verleihen, und formulieren, dass er selbst
auch Angst vor der Kraft des Vaters gehabt habe, dass er geglaubt habe, der Vater könne die Mutter „ins Gefängnis“ bringen, und dass er dann ganz allein gewesen wäre.
Während der Therapie war es besonders wichtig, Mikaels Überlebensstrategien offen und respektvoll zu begegnen. Die Idealisierung des Vaters und
Mikaels Identifikation mit ihm und seiner Kraft unterdrückten die Furcht des
Jungen, die Mutter zu verlieren, und die starken Schuldgefühle, die er wegen
der Gewalt gegenüber der Mutter empfand. Durch stetes Annähern an das
Trauma vermochte er während des symbolischen Spiels, seine Angst zu dosieren und Vergleiche zwischen seiner eigenen und der im Spiel dargestellten
Situation wahrzunehmen. Zum Schluss gelang es ihm sogar, seiner Furcht
auf der bewussten Ebene Ausdruck zu verleihen. Er konnte die Wirklichkeit
erkennen und sehen, dass die Verantwortung für die Misshandlungen der
Mutter beim Vater und nicht bei ihm lag. Er wurde weniger aggressiv, und
sein Respekt und Vertrauen gegenüber der Mutter wuchsen. Bei unserer abschließenden Sitzung meinte Mikael, „jetzt können wir die Spielsachen wegräumen“, und er erzählte schließlich von seiner Lehrerin in der ersten Klasse,
von seinen Klassenkameraden und seinem besten Freund.
Geschwister in einer Familie mit häuslicher Gewalt haben sowohl eigene
als auch gemeinsame Erfahrungen mit der Gewalt in der Familie gemacht.
Sie wurden unterschiedlich beeinflusst, abhängig von ihrem Alter, Geschlecht
und der persönlichen Beeinträchtigung durch die Misshandlungen. Ihre Loyalität und Beziehung zu den Eltern zeigen sich auf verschiedene Art, und dies
kann zu Konflikten unter den Geschwistern führen. Wir waren stets bemüht, jedem Kind die Gelegenheit zu geben, die eigene Sicht der Dinge zu formulieren,
aber auch gemeinsam mit den Geschwistern über das Erlebte zu reden.
Kinder in einer Familie mit häuslicher Gewalt können sehr erleichtert sein,
sobald die Scheidung der Eltern eine Tatsache ist, erleiden aber auch verschiedene Verluste. Sie verlieren den Familienvater und sind gelegentlich gezwungen, den Kindergarten oder die Schule zu wechseln. Viele Kinder tragen einen Traum vom guten Ende in sich, alles wird gut und alle leben zusammen.
Erhalten sie die Möglichkeit, ihre traumatischen Erlebnisse zu bearbeiten,
verschwinden die Hürden, die eine Trauer verhindern. So können sie die verschiedenen Verluste verarbeiten und die Familie akzeptieren, wie sie ist.
Die Arbeit mit der Mutter
Der zweite Schritt, die Arbeit mit der Mutter, bei dem das Kind bzw. die Kinder den Raum verlassen, ermöglicht der Mutter, in Abwesenheit der Kinder
zu sprechen. Dies wird von vielen Müttern als große Entlastung empfunden.