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Unterstützung für Mädchen und Jungen bei häuslicher Gewalt
Vielmehr müssen wir sozialakzeptable Formen finden, sie auszudrücken. In der Erziehung von Kindern bedeutet dies nicht, die Kinder gewähren zu lassen unter dem Motto „Lasst Kinder ihre Aggressionen ausleben“, sondern vielmehr, Aggressionsrituale zu entwickeln mit kontrollierten Handlungsmustern, die Respekt und Achtung vor der Würde des Menschen und der körperlichen Unversehrtheit beinhalten (vgl. Röhm 1976). Dies ist umso notwendiger bei Kindern, die zuhause immer wieder ängstigende Gewalt erfahren. Sie erleben die ungesteuerte und grenzüberschreitende Gewalt (i.d.Regel) des Vaters und spüren gleichzeitig ihre eigene reaktive Wut, die der Angstabwehr dient. Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, welche Formen von Auseinandersetzung, von Konfliktlösung es gibt. Sie erleben einerseits die Angst machende Gewalt des Vaters und andererseits die ebenfalls Angst machende Ohnmacht der Mutter. Jungen haben oft Angst, genauso zu werden wie der Vater oder bewundern den Vater insgeheim, weil er ja auch als mächtig erlebt wurde. Mädchen finden im Erleben der Mutter kein adäquates Vorbild dafür, sich abzugrenzen, sich erfolgreich zur Wehr zu setzen. Wir wissen auch von Kindern mit langanhaltenden Traumatisierungen, dass sie sich in ihrer Angst und Ohnmacht mit dem Aggressor identifizieren und in der Pubertät oft durch aggressive Verhaltensweisen auffällig werden. Deswegen ist es so wichtig, möglichst früh und auch zeitnah zum Gewalterleben das Geschehene aufzuarbeiten und andere, gesteuerte Formen des Ausdrucks für ihre unterdrückten Aggressionen zu finden. Dies gilt im Übrigen für Jungen wie für Mädchen. Auch wenn Mädchen eher gelernt haben, sich zu beherrschen und Wut und Aggression zu unterdrücken, kommt es nicht selten bei ihnen - häufig erst in der Pubertät- zu unkontrollierten und angestauten Wutausbrüchen in Situationen, die von außen nicht nachvollziehbar sind. Wir erleben es oft, dass Mütter, deren Partner gewalttätig waren, es stark ablehnen, dass ihre Kinder „aggressive“ Spiele spielen. Sie fürchten, dass ihre Kinder durch diese Spiele erst recht aggressiv bzw. dazu angeleitet würden, gewalttätig zu werden. Nicht die Verdrängung von Aggression aus dem Alltag kann jedoch die Erziehungsperspektive für Kinder sein, vielmehr geht es darum, die konstruktive Seite von der zerstörerisch-menschenverachtenden klar abzugrenzen. Und um die destruktive Aggression zu beherrschen, ist eine Kultivierung von Aggression, d.h. die Erziehung zu einem gekonnten Umgang mit Aggression, unabdingbar. Hierfür sind Rituale und Regeln notwendig. Kann Aggression in der Realität nicht kontrolliert, regelgebunden, ritualisiert und verlässlich ausgelebt werden, so sucht sie sich andere Wege (vgl. Rogge 1995). So war bei unserem Spielen von Geschichten auf der Symbolebene wichtig, dass es auch Raum gab für aggressive Spiele und Kämpfe. Durch das Einbinden der Aggression in eine Geschichte bekommt sie jedoch eine kontrollierte Handlungsform. Es geht hier nicht um ein wildes, unkontrolliertes Ausagieren von Wut und Aggression, sondern auch um Absprachen, Spielregeln, Vereinbarungen (z.B. nicht wirklich zu schlagen, zu beißen, mit weichen