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Unterstützung für Mädchen und Jungen bei häuslicher Gewalt
Kinder erleben, dass ihrer Mutter geholfen wird und damit fühlen sie sich ein
Stück aus der Überforderung entlassen.
Parteilichkeit für die Kinder als pädagogisches Prinzip bedeutet auch für
die Gruppenarbeit, Wünsche, Bedürfnisse und den Willen der Kinder zu erforschen und ernst zu nehmen. Soweit möglich, werden ihnen Mitspracherechte eingeräumt. Gleichzeitig hat der Kinderbereich den konzeptionell verankerten Auftrag, für die Rechte und Bedürfnisse der Kinder nach innen wie
nach außen einzutreten. Interessensgegensätze und damit auch konflikte im
Verhältnis zu den Rechten und Bedürfnissen der Frauen und Mütter im Haus
werden bewusst wahrgenommen und ausgetragen. Der Aushandlungsprozess wird von den Mitarbeiterinnen des Kinderbereiches und der Frauenberatung übernommen mit dem Ziel, die pädagogischen Interventionen beider
Bereiche abzustimmen.
Ausgangspunkte für die Gruppenarbeit
Wie mittlerweile zahlreiche Forschungsergebnisse bestätigt haben, sind Kinder insbesondere dann, wenn sie über einen längeren Zeitraum schwere Formen der Gewalt gegen ihre Mutter erlebt haben, sehr belastet. Sie zeigen oft
behandlungsbedürftige Verhaltensauffälligkeiten. Sowohl im sozialen Bereich als auch in der kognitiven Entwicklung hat die häusliche Gewalt beeinträchtigende Auswirkungen auf die Kinder. In vielen Fällen lassen sich
post-traumatische Belastungsstörungen beobachten (vgl. Kindler 2005). Der
enge Zusammenhang zwischen Gewalt gegen die Mutter und direkter Gewalt gegen das Kind kann als gesichert angenommen werden (vgl. Kavemann
2003, Kindler 2005).
Die Mädchen und Jungen sind in ihrer Identität tief verunsichert (vgl.
Heyne 2003) und zeigen meistens zu beiden Elternteilen Beziehungsstörungen
(Kavemann 2003, Kindler 2005, siehe auch Kindler in diesem Band).
Gesicherte Erkenntnisse aus diesem Forschungsgebiet sind, zumindest
im deutschsprachigen Bereich, relativ neu. Deshalb waren Mitarbeiterinnen
in Frauenhäusern viele Jahre vor allem auf ihre eigenen Beobachtungen angewiesen. Aus Beobachtungen, Untersuchungen im angloamerikanischen
Sprachraum und Erkenntnissen ähnlicher Fachbereiche wurden Interventionen für die Kinder entwickelt. Auch in der Frauenhilfe ist so eine spezifische
Hilfeform entstanden, die ihren Ursprung zu einem großen Teil in den beobachteten Bedürfnissen und Belastungen der im Haus lebenden Kinder hat.