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Martina Linke / Elke Plathe
Kinder als Beteiligte im polizeilichen Einsatz bei häuslicher Gewalt
In den letzten Jahren hat es bundesweit bei der Polizei positive Veränderungen bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt gegeben. Das Thema ist in
allen Bundesländern präsent. Es wurden Aus- und Fortbildungsprogramme
entwickelt, Broschüren und Leitfäden erstellt sowie spezielle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bei den Polizeidienststellen geschaffen. Die Polizeigesetze wurden überprüft und in vielen Ländern novelliert, um einen adäquaten Schutz von betroffenen Frauen und ihren Kindern zu gewährleisten.
Bis Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts war häusliche Gewalt
für die Polizei kein Thema. Einsätze wurden von der Einsatzzentrale, bei der
alle Anrufe ankommen, unter dem Stichwort „Streitigkeiten“ oder „Familienstreitigkeiten“ vergeben und entsprechend bearbeitet. Die Bearbeitung sah
meistens so aus, dass die „Streitenden“ ermahnt wurden sich zu vertragen.
Weitere Maßnahmen erfolgten in der Regel nicht. Nur in schwerwiegenden
Fällen, wenn unübersehbare Verletzungen bei den Betroffenen, meistens
Frauen, vorhanden waren, wurde eine Strafanzeige gefertigt. Wenn Kinder in
der Wohnung mitbetroffen waren, erfolgte in seltenen Fällen eine Benachrichtigung des Jugendamtes.
Grundsätzlich waren solche Einsätze bei den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten unbeliebt, weil sie sich nicht gerne in die „Privatangelegenheiten“
von Familien einmischen wollten. In vielen Fällen wussten sie auch nicht, was
sie tun konnten. Es fehlte ihnen sowohl das Wissen um das Phänomen häusliche Gewalt als auch ein entsprechendes Handlungsinstrumentarium. Diese
Probleme wurden von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen bei den Fortbildungsveranstaltungen zum Thema häusliche Gewalt, die ab 1999 in der
Landespolizeischule Berlin durchgeführt wurden, geäußert.
Gegenwart
Zehn Jahre später hat sich die polizeiliche Intervention bei häuslicher Gewalt
deutlich verändert und verbessert. In Berlin haben wir als Polizeibeamtinnen
und Polizeibeamte sehr vom Berliner Interventionsprojekt bei Häuslicher Gewalt (BIG) profitiert (vgl. WiBIG 2004).
Wir haben als Vertreterinnen des Polizeipräsidenten in Berlin gemeinsam
mit weiteren Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten über viele Jahre in Fachgruppen und im Steuerungsgremium bei BIG mitgearbeitet und waren am
Runden Tisch des Landes Berlin vertreten. Schwerpunkt unserer Tätigkeit
waren die Fachgremien „Kinder und Jugendliche“ sowie „polizeiliche Intervention bei häuslicher Gewalt“.