33 lines
3.4 KiB
Markdown
33 lines
3.4 KiB
Markdown
Interinstitutionelle Kooperation - mühsam aber erfolgreich
|
||
|
||
233
|
||
|
||
systemischem Verständnis heraus gilt es in der Betrachtung von familiären
|
||
Systemen, in denen ein Familienmitglied „auffällig“ wird (alkoholabhängig,
|
||
schizophren oder eben gewalttätig) herauszufinden, welchen subjektiven
|
||
Sinn und welche intersubjektive Funktion die Symptomatik für den Gesamtzusammenhang hat bzw. wie die einzelnen Familienmitglieder zur Entstehung bzw. Aufrechterhaltung des beklagten Sachverhaltes beitragen. Wenn
|
||
aus dieser Perspektive die entsprechende Bedeutung und vor allem Verwicklung, Verstrickung, Wechselseitigkeit herausgearbeitet werden, können ggf.
|
||
einseitige Schuldverteilungen gestoppt, können leidvolle Erfahrungen auf
|
||
beiden Seiten zur Sprache gebracht werden, befreiende Einsichten und optionseröffnende Verabredungen entstehen. Wird mit diesem Grundverständnis auf das Thema „häusliche Gewalt“ geschaut, stellt sich sofort die Frage
|
||
- und das geschieht häufig in Arbeitszusammenhängen mit KollegInnen aus
|
||
der Jugendhilfe - wie die betreffende Frau den Mann zur Gewalttätigkeit provoziert hat. Der systemische Ansatz, der in vielen therapeutischen und beraterischen Zusammenhängen nützlich und sehr hilfreich ist, wirkt im Kontext
|
||
von häuslicher Gewalt oder auch bei anderen Formen von Gewaltausübung
|
||
wie sexuellem Missbrauch oder Kindesmisshandlung eher kontraproduktiv.
|
||
In der Konsequenz führt jedenfalls eine „systemische Mechanik“ oft dazu,
|
||
dass Kinder nicht oder zu spät geschützt werden und Frauen eine Verantwortung übertragen wird, die sie aufgrund der langjährigen Gewaltsituation
|
||
überfordert. Es wird nicht mehr klar gesehen und benannt, dass es für die
|
||
Ausübung von Gewalt keinerlei Rechtfertigung gibt.
|
||
Übersehen wird außerdem, dass es um ein hierarchisches (Macht-)Verhältnis geht. Beide Seiten verfügen eben nicht über den gleichen Zugang
|
||
zu Ressourcen und bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass das dem systemischen Ansatz zugrunde liegende Verständnis von Allparteilichkeit nicht allen Familienmitgliedern die gleichen Chancen bietet, sondern den ungleichen
|
||
Status von Frauen und Männern zementiert.
|
||
„Es gibt keine geschlechtsneutralen Systemformulierungen. Formulierungen, die das für sich
|
||
ǰȱȱȱȱ¡ǰȱ ȱȱȱĞȱȱduzieren, Frauen und Männer seien gleichgestellt. In Wirklichkeit sind die Frauen in unserer
|
||
Ğȱǰȱȱȱǰȱȱȱ£ǰȱteiligt sie gleich zweifach“ (Walters/ Carter/ Papp/ Silverstein 1991: 38).
|
||
|
||
Kurz: Macht als Organisationsprinzip innerhalb der Familie und insbesondere in Familien, in denen häusliche Gewalt herrscht, wurde in der systemischen
|
||
Theorie und Praxis als bestimmendes Prinzip des Geschlechterverhältnisses
|
||
weitgehend ignoriert.
|
||
„Da die Systemtheorie sich ausschließlich auf die Schachzüge, nicht aber auf die Spieler konzentriert, können Fragen, wer Macht über wen ausübt, und mit welcher Regelmäßigkeit dies
|
||
der Fall ist, außer Acht bleiben… Zur Verschleierung trägt zusätzlich das Konzept der Zirkularität bei, nach dem die Verantwortung für eine bestimmte Interaktionssequenz ebenso
|
||
wie ihre Folgen allen Beteiligten gleichermaßen zuzuschreiben ist…Familienübergreifende
|