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Wenn misshandelte Frauen ihre Kinder misshandeln
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Während das Leben in Frau A.s Familie gekennzeichnet ist durch Partnerund Eltern-Kindbeziehungen, in denen sich Liebeswünsche und gewalttätig
ausagierte Wut zu einem Ganzen verwoben haben, setzen dem die sozialen
Institutionen die Klarheit von Gewalthandeln versus Nicht-Gewalthandeln
gegenüber. Soziale Institutionen, ob Frauen- oder Kinderhilfseinrichtungen,
bieten Schutz in Situationen gewalttätigen Scheiterns von Beziehungen, ob
Paar- oder Eltern-Kindbeziehungen oder beidem. Sie zwingen aber auch zu
klaren Entscheidungen oder treffen ihrerseits klare Entscheidungen (z.B. bei
Inobhutnahmen). Die Grenzen ihrer Handlungsmöglichkeiten werden den
Betroffenen insbesondere dann schmerzhaft bewusst, wenn z. B. die Frauen
bei ihrem Partner bleiben wollen, dieser aber nicht länger gewalttätig sein soll
oder Kinder bei ihren Eltern - nicht selten auch beim Vater diese aber weder
untereinander noch ihnen gegenüber gewalttätig sein sollen.
Gewalt macht Angst und fordert Schutz, sei es vor sich selbst oder anderen und bedarf einer eindeutigen Stellungnahme. Doch die darin enthaltene
Konstruktion von gut und böse, richtig und falsch trifft nur einen Aspekt des
Lebenszusammenhangs der Beteiligten, da sie die anderen Seiten der familialen Beziehungen notwendigerweise ausblendet. Wenn soziale Institutionen
derartige Aufspaltungen vermeiden wollen, bedeutet das:
ȡ Frauenhilfseinrichtungen müssen den Frauen und Kindern zuliebe sowohl
einen konkreten Ort darstellen, der physisch vor Gewalt schützt als auch einen intermediären Raum, d.h. einen gedanklichen Zwischenraum, in dem die
Vielschichtigkeit der Beziehungen der Frauen zum Mann und der Kinder zu
Mutter und Vater Platz hat.
ȡ Kinderhilfseinrichtungen müssen einen Ort darstellen, der auf das Kindeswohl zentriert ist, gleichwohl aber einen intermediären Raum schaffen für
die Vielschichtigkeit der Beziehungen der Kinder zu Mutter und Vater und
vice versa, so dass die Kinder sich in ihren Ambivalenzen dort aufgehoben
fühlen.
Gewalterfahrungen in Familien sind Teil von Beziehungskontexten, die
von Professionellen in der Arbeit mit Betroffenen ein inneres Halten (holding
function, Winnicott 1979) erfordern, denn der gewalttätige Mann war für die
meisten Frauen eben nicht nur ein „Misshandler“; sondern ihr Partner; gewalttätige Eltern sind für ihre Kinder nicht nur „Gewalttäter“ sondern zentrale Bezugspersonen. Das bedeutet nicht, irgend jemand zu entschuldigen, der
oder die Gewalt ausgeübt hat, sondern zunächst einmal nur, alle Facetten des
vielschichtigen Beziehungsdramas zusammen zusehen:
„Ambivalenzen sensibler wahrzunehmen und die Einheit von Widersprüchen ins Kalkül zu
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alles gegen diesen vordergründig kontrafaktischen Blick sträuben mag“ (Honig 1987: 98).
Möglicherweise kehrt damit auch ein Stück Unklarheit über eine Lösung, die
als „gut genug“ (good enough, Winnicott 1979) empfunden wird, zurück.