37 lines
3.1 KiB
Markdown
37 lines
3.1 KiB
Markdown
188
|
||
|
||
Ein kritischer Blick auf die (familien-)rechtlichen Rahmenbedingungen
|
||
|
||
vention wird angegeben, dass die Väter weggewiesen seien und daher nicht
|
||
mit ihnen gearbeitet werden könnte90, oder dass diese ohnehin nicht kommen
|
||
würden, wenn sie eingeladen werden (Haller u.a. 2002:167). Diese Begründungen zeugen von Hilf- und Planlosigkeit der SozialarbeiterInnen. Die Haltung, dass sich Väter mit ihrem Gewaltproblem auseinandersetzen müssen,
|
||
wenn sie weiter Kontakt zu den Kindern haben wollen, sowie konkrete Ziele
|
||
und Pläne, wie dies zu erreichen sei, scheinen häufig zu fehlen. Nachgehende
|
||
und aufsuchende Beratung, verpflichtende Auflagen und Kontrollmaßnahmen werden kaum als Methoden eingesetzt. Ein Grund dafür ist wohl wie
|
||
oben dargestellt die „Mütterorientierung“ der Jugendämter. Die höhere Kooperationsbereitschaft der Mütter kommt diesem Ansatz entgegen, Mütter
|
||
verweigern seltener den Kontakt mit dem Jugendamt.
|
||
Bewusste oder unbewusste Angst vor dem gewalttätigen Vater und Defizite in der Ausbildung im Hinblick auf den Umgang mit Gewalt und die
|
||
Arbeit mit gewalttätigen Vätern dürften weitere Gründe für die fehlenden
|
||
Interventionen sein.91
|
||
Es genügt auch nicht, wenn das Jugendamt das Problem lediglich delegiert
|
||
und den Vater beispielsweise zu einem Anti-Gewalt-Training verpflichtet. Die
|
||
Verantwortung für die Fallführung muss wahrgenommen werden, gezieltes
|
||
und geplantes Vorgehen in der Arbeit mit gewalttätigen Vätern, die Durchführung von Fallkonferenzen und multi-institutionelle Zusammenarbeit sind
|
||
notwendig für effektive Gewaltprävention. Es ist auch notwendig dafür zu
|
||
sorgen, dass sich der Vater gegenüber den Kindern und der Mutter entschuldigt, dass er bekennt, dass sein Verhalten nicht in Ordnung war und dass er
|
||
Verantwortung übernimmt und keine Gewalt mehr ausübt. Versprechungen
|
||
alleine genügen aber nicht, der Vater muss auch durch sein Verhalten zeigen,
|
||
dass es ihm ernst ist, in dem er keinerlei Gewalt, Druck oder Zwang ausübt.
|
||
Ist ein gewalttätiger Vater nicht dazu bereit oder in der Lage, muss er als besonders gefährlich eingestuft werden.
|
||
Interventionen dürfen sich nicht nur auf die Zeit unmittelbar nach der
|
||
Gewalttat beschränken („Feuerwehrfunktion“), sondern müssen langfristig
|
||
geplant werden und zum Ziel haben, beim gewalttätigen Vater nachhaltige
|
||
Veränderungen zu erreichen. „Am Ball - oder ‚am Vater’ bleiben“ ist also ein
|
||
wichtiger Grundsatz der Präventionsarbeit.
|
||
Hier liegen große Herausforderungen für Praxis und Ausbildung: Die Sozialarbeit muss sich wirkungsvolle Methoden zur Arbeit mit gewalttätigen
|
||
Vätern aneignen und auch die Defizite in der Arbeit mit den Opfern abbauen.
|
||
|
||
90 Das AJF erhält die Dokumentation der Polizei, diese enthält fast immer Daten die es ermöglichen würden, den gewalttätigen Vater zu kontaktieren.
|
||
91 Die Autorin ist Dozentin an Fachhochschulen für Sozialarbeit in Wien, entwickelt und vermittelt Methoden der Arbeit mit gewalttätigen Vätern sowie Strategien des Umgangs mit Gewalt;
|
||
diese Lehrveranstaltungen sind jedoch meist nur Wahlfächer und erfassen nicht alle Studierenden.
|