37 lines
3.0 KiB
Markdown
37 lines
3.0 KiB
Markdown
Auftrag und Handlungsmöglichkeiten der Jugendhilfe bei häuslicher Gewalt
|
|
|
|
175
|
|
|
|
walt bei Besuchskontakten; oder aber sie lieben den gewalttätigen Vater und
|
|
möchten (z.T. im Gegensatz zur Mutter) den Kontakt intensivieren. Die Vielschichtigkeit der Probleme ist mit einem Ruf nach alleinigem Sorgerecht für
|
|
die Mutter nicht zu lösen, sondern erfordert individuelle Konzepte, die auch
|
|
den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden (z.B. die eigenständige Anhörung
|
|
der Kinder als Vorbereitung auf Hilfeplanverfahren; Aussetzung von Besuchsregelungen während des Frauenhausaufenhaltes; „Betreuter Umgang“ etc.).
|
|
ȡ Aus Sicht der Mädchen und Jungen ist ein eigenes Antragsrecht auf Hilfen
|
|
zur Erziehung dringend erforderlich. Kinder entscheiden sich nicht leichtfertig gegen ihre Eltern. Tun sie dies, benötigen sie Unterstützung bei der Wahl
|
|
eines sicheren Lebensortes oder flankierender Unterstützungsangebote im
|
|
Alltag. Eine Qualifizierung der Erziehungshilfen im Hinblick auf die Bearbeitung familialer Gewalterfahrungen von Mädchen und Jungen bei einer
|
|
gleichzeitigen Mütterarbeit (seltener Elternarbeit) durch eine andere Fachkraft ist hier erforderlich.
|
|
ȡ Qualität in der Erziehungshilfe bedeutet: Partizipation von Mädchen und
|
|
Jungen; Stärkung ihrer Mitwirkung bei allen sie betreffenden Entscheidungen;
|
|
Wunsch und Wahlrecht für die Kinder (und weniger für gewalttätige Mütter
|
|
oder Väter). Wird z.B. die Doppelrolle des Jugendamts Elternförderung und
|
|
Kinderschutz im ASD durch dieselbe Person wahrgenommen, geraten die
|
|
Kinder leicht aus dem Blick. Kinder brauchen eigene Orte und Personen zur
|
|
Entlastung vom familialen Beziehungsgefüge. Mütter brauchen Unterstützung damit sie dies erkennen können.
|
|
ȡ Zur Umsetzung der geforderten Maßnahmen benötigt die Jugendhilfe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Kenntnis ihrer eigenen Geschlechtsrolle
|
|
eine klare Haltung zur Beendigung häuslicher Gewalt entwickelt haben und
|
|
Mädchen und Jungen eine parteiliche Haltung zur Unterstützung anzubieten
|
|
willens und in der Lage sind. Dies ist eine notwendige Voraussetzung, um
|
|
sekundäre Traumatisierungen durch staatliche Intervention zu vermeiden.
|
|
Die Jugendhilfe verkennt in großen Bereichen häusliche Gewalt. Sie entwickelt
|
|
auch aufgrund ihrer Familienorientierung Konzepte, die zu kurz greifen, um
|
|
das Problem zu lösen. Der professionelle Handlungsauftrag sollte den Schutz
|
|
des Individuums in den Blick nehmen und ein interdisziplinär begründetes
|
|
Konzept gewaltfreier familialer Lebensräume und sozialer Nahräume entwickeln und umsetzen. Die Jugendhilfe als soziale Integrationsinstanz für
|
|
gewalterfahrene Kinder und Jugendliche ist herausgefordert, angesichts der
|
|
wachsenden Sozialisationsanforderungen und zunehmenden Konflikte in Familien aktiv an der Gestaltung neuer unterstützender Settings für Mädchen
|
|
und Jungen mitzuwirken. Dazu sind Runde Tische zur Gewaltprävention ein
|
|
probates Mittel. Eigenständige Hilfen für Mädchen und Jungen sollten hier
|
|
mit verortet sein.
|