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Der Blick der Forschung
Verwandten stehen drei Fragen im Vordergrund: Was werden sie tun? Was
werden sie über meine Familie denken? Was wird das in der Verwandtschaft
auslösen?
Die Äußerungen der SchülerInnen lassen eine klare Diskrepanz zwischen
der Notwendigkeit der Thematisierung der Probleme und der Ängste vor
der Ungewissheit der Reaktion der Verwandten erkennen, dass sie etwas tun
könnten, das nicht der Intention des Kindes entspricht, wie zum Beispiel Dritte informieren oder die Eltern auf das Problem ansprechen oder wie es ein
12-jähriger Junge auf den Punkt bringt:
„ Weil sie dann die Eltern fragen, ob das stimmt, dann wissen die Eltern, dass das Kind das
erzählt hat, vielleicht wollen die Eltern das nicht, dass das andere wissen!“ (J, 12)
Den Befragten ist durchaus bewusst, dass Kinder familiäre Schwierigkeiten
nicht nach außen tragen sollten, von ihnen die Einhaltung des Schweigegebots erwartet wird und die Verletzung dieser kulturellen Normen das Verhältnis zur Muter oder zu den Eltern beeinträchtigen könnte.
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weiter erzählt und dann der Sohn darunter noch mehr leidet.“ (J, 16)
„Sie könnten es unseren Eltern sagen und dann gibt es Krach mit mir, denn sie sagen bestimmt, die anderen brauchen es nicht zu wissen.“ (M, 14)
Auch Ängste, dass „man die Kinder in ein Heim steckt“ (J, 14) treiben die Befragten um. Manche machen sich Gedanken, wer die richtige Adresse für solche Probleme wäre und äußern generelle Zweifel, ob Verwandte überhaupt
die notwendigen Kompetenzen besitzen,
„weil sie dann vielleicht etwas Falsches tun würden, und somit alles schlimmer machen würden. Der Polizist oder ein Sorgentelefon kennen sich mit solchen Sachen besser aus.“ (M, 16)
Geradezu leitmotivisch taucht auch bei dieser Frage wiederum die Sorge um
das Image der Familie auf. „Weil man die Eltern nicht gerne schlecht macht vor
andern Leuten, gerade auch bei Verwandten.“ (M, 16) und weil die Verwandtschaftsverhältnisse durch schwierige Loyalitätskonflikte belastet würden,
wenn die Verwandten erführen, dass der Vater die Mutter schlägt, stellt sich
aus Sicht der befragten SchülerInnen das Problem, dass individuelle Bedürfnisse der betroffenen Kinder und Jugendlichen gegenüber Familieninteressen
abzuwägen wären. Noch komplizierter oder aussichtsloser kann sich die Lage
darstellen bei bereits bestehenden Spannungen, die sich wiederum als Barriere für das Kind auswirken können, wie die Einschätzung eines 12-Jährigen
zeigt: „weil meine Mutter meint von der Verwandtschaft meines Vaters, sie sei gegen
sie und sie würden lachen. Mit der anderen Verwandtschaft könnte ich sehr gut darüber sprechen.“(J, 12)