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Der Blick der Forschung
Erleben von Kindern als ZeugInnen physischer, psychischer und sexualisierter
Gewalt gegen ihre Mutter darstellen.
Die interviewten Kinder und Jugendlichen schilderten Zustände intensiver Angst und Bedrohung, die sie meist über Jahre in ihrer Familie ertragen mussten. Sie erinnerten sich an Szenen, in denen die Väter ihre Mütter
schlugen, traten, zur Wand warfen, würgten, mit Gegenständen angriffen,
demütigten und mit dem Umbringen bedrohten. Häufig hörten sie die väterlichen Gewaltausbrüche und die Schreie der Mutter aus einem anderen
Zimmer mit.15 Die Angstzustände der Kinder waren von Zittern, Herzklopfen,
Schwäche- und Lähmungsgefühlen, Krämpfen, Kribbeln und unangenehmen
Gefühlen im Bauch begleitet: „Es hat mir auch wehgetan, wie er sie geschlagen
hat, in meinem Bauch zitterte alles“, so beschrieb Sabina (11 Jahre alt) ihr Gefühl
überwältigender Hilflosigkeit.
Ich möchte nun die zwölfjährige Amela zu Wort kommen lassen, um ihr
traumatisches Erleben und damit einhergehende unkontrollierbare Körperempfindungen während der Misshandlung ihrer Mutter sichtbar zu machen.
Erschwert wurde bei Amela die Bewältigung ihrer ohnmächtigen familiären
Situation durch die Verlusterfahrungen im Prozess der Migration.
Amelas Familie war aus wirtschaftlicher Not aus dem ehemaligen Jugoœ•Š ’Ž—ȱ—ŠŒ‘ȱ[œŽ››Ž’Œ‘ȱŽ–’›’Ž›ǯȱŠ•ȱ—ŠŒ‘ȱŽ›ȱ–’›Š’˜—ȱ‹ŽŠ——ȱ–Ž•Šœȱ
Vater, ihre Mutter zu misshandeln. Im Alter zwischen 6 und 8 musste Amela
mehrmals die Misshandlungen ihrer Mutter miterleben. Amelas Mutter erzählt:
„Früher haben wir so gut gelebt, und dann plötzlich, immer nur Streit. … Ich bin wie eine
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soll ich machen mit zwei Kindern alleine? Alleine ohne Familie. Ich kannte niemanden. Nur
wegen der Kinder bin ich bei ihm geblieben.“
Amela sei während der Misshandlungen auf dem Bett gesessen und habe immer laut geschrieen „Bitte lass meine Mama in Ruhe, bitte bitte!“.
Amela erzählt:
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geweint, weil mir das auch wehtat,… und da hat er immer zu ihr gesagt, du Hure, und so,
du schläfst mit anderen und dabei hat es gar nicht gestimmt. Ich hab immer gesagt, hört auf,
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ich alles vergessen, also ich wusste nicht, was ich tue, … ich spürte mich fast nicht mehr. …
Es ist viel schrecklicher als ich es hier erzähle … das war halt schrecklich irgendwie, wie er
15 In einer nordamerikanischen Studie wurde festgestellt, dass sich die Kinder in 90 % der Fälle
im Raum, in dem die Gewalt stattfand, oder im nächsten Raum befanden, vgl. Hughes 1992. Jaffe
u.a. (1990, S. 20) kamen in ihrer Untersuchung zum Ergebnis, dass die meisten Kinder Details
der Gewalthandlungen beschreiben konnten, von denen die Eltern nicht wussten, dass sie sie
miterlebt hatten.