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Der Blick der Forschung
Hierzu wurden in den letzten Jahren vermehrt Studien vorgelegt (z.B. Ritter
et al. 2002, Maughan & Cicchetti 2002, Yates et al. 2003). Die bisherigen Befunde zeigen dabei dreierlei. (1) Kinder, die Partnergewalt und Misshandlung
ausgesetzt sind, sind im Mittel in ihrer Entwicklung schwerer beeinträchtigt als Kinder, die Partnergewalt miterleben, aber selbst keine Misshandlung
erfahren. (2) Kinder, die eine elterliche Suchterkrankung und Partnergewalt
erleben, weisen im Mittel mehr und intensivere Beeinträchtigungen auf verglichen mit Kindern, die eine von beiden Belastungen erleben müssen. (3)
Ohne hilfreiche Intervention von Außen kann sich die ganz überwiegende
Mehrzahl der von zwei oder mehr dieser Belastungen betroffenen Kinder
nicht positiv entwickeln.
Bei all diesen beschreibenden Befunden zu Entwicklungsbeeinträchtigungen von Kindern nach Partnergewalt darf nicht vergessen werden, dass
alle berichteten Untersuchungen in Ländern mit entwickelter Jugendhilfe und Gesetzen zum Schutz von Kindern durchgeführt wurden. Natürlich
bestand für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch
stets die ethische Verpflichtung, in neu bekannt gewordenen Fällen für die
Vermittlung angemessener Hilfe zu sorgen. Dies bedeutet: Die beobachteten
Entwicklungsbeeinträchtigungen traten trotz der Angebote und Maßnahmen
von Jugendhilfe und Familiengerichtsbarkeit auf. Allerdings befindet sich die
Praxis der Jugendhilfe und Familiengerichtsbarkeit natürlich im Wandel und
es kann sein, dass bei einer Verbesserung dieser Praxis andere Ergebnisse
erzielt würden. Insofern ist die berichtete Befundlage zu Zusammenhängen zwischen miterlebter Partnergewalt und Beeinträchtigungen kindlicher
Entwicklung auch eine Aufforderung, nach neuen Wegen in der Jugendhilfe und Familiengerichtsbarkeit zu suchen. Sinnvollerweise gibt es in dieser
Diskussion eine Konzentration auf die Frage nach wirksamen Strategien zur
Beendigung von Partnergewalt in möglichst vielen der hiervon betroffenen
Beziehungen. Ein wachsender Grundstock an empirischen Erkenntnissen ist
hierbei geeignet, die öffentliche Diskussion zu bereichern und zu informieren
(z.B. Holt et al. 2002, Gondolf 2002, Shepard et al. 2002, Bennett et al. 2004,
McCloskey & Grigsby 2005). Daneben gibt es aber auch noch die Diskussion
um die Frage, wie über die Beendigung der Gewalt hinaus Kindern, die durch
miterlebte Partnergewalt belastet und in ihrer Entwicklung beeinträchtigt
scheinen, geholfen werden kann. Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig zu verstehen, auf welchen Wegen Partnergewalt sich auf die Entwicklung
von Kindern auswirkt.
Auf welchen Wegen wirkt sich miterlebte Partnergewalt auf die Entwicklung von Kindern aus?
Sechs mögliche Wege, auf denen die berichteten Zusammenhänge zwischen
miterlebter Partnergewalt und Entwicklungsbeeinträchtigungen von Kindern