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Partnergewalt und Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung
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wicklung, also dem zweiten angesprochenen Risikopfad. In diesem Bereich
liegen beispielsweise zwei Längsschnittstudien von der Kindheit bis ins Jugendalter bzw. junge Erwachsenenalter vor. Beide Arbeiten konnten einen Zusammenhang zwischen dem Miterleben von Partnergewalt gegen die Mutter
in der Kindheit und dem späteren Erdulden bzw. Ausüben von Beziehungsgewalt im jungen Erwachsenenalter aufzeigen (Ehrensaft et al. 2003, Linder
& Collins 2005). Unterstützt werden diese Befunde durch mehrere Studien,
in denen Erwachsene nach Partnergewalt in ihrer jetzigen Partnerschaft und
rückblickend nach Partnergewalt in der Herkunftsfamilie gefragt wurden (für
eine Forschungsübersicht siehe Delsol & Margolin 2004). Zusätzlich konnte
in weiteren Untersuchungen belegt werden, dass einige Kinder nach Partnergewalt stereotypere Geschlechtsrollenbilder entwickeln (Graham-Bermann &
Brescoll 2000), sich einen aggressiven Verhaltensstil aneignen (Graham-Bermann & Levendosky 1997), größere Schwierigkeiten beim Aufbau positiver
Freundschaftsbeziehen haben (Moore & Pepler 1998, McCloskey & Stuewig
2001) und Einschränkungen in der Fähigkeit zur konstruktiven Konfliktbewältigung aufweisen (Ballif-Spanvill et al. 2003). Insgesamt liegen damit einige gute Hinweise dafür vor, dass miterlebte Partnergewalt in der Kindheit das
Erlernen von Beziehungsfähigkeiten und damit einen für das Lebensglück
zentralen Bereich beeinträchtigen kann und über eine Tendenz zur Wiederholung der Gewalt in späteren Partnerschaften auch das Leben anderer Menschen
und der nachfolgenden Generation negativ beeinflussen kann.
Ein Teil der Kinder, die Partnergewalt miterleben müssen, erfährt in der
Familie auch noch weitere Belastungen, etwa Kindesmisshandlung oder die
Suchterkrankung mindestens eines Elternteils. Beispielsweise waren in mehreren Untersuchungen an Kindern in Frauenhäusern 30 bis 60 % der Kinder
vom Vater bzw. dem Partner der Mutter auch selbst misshandelt worden
(für eine Forschungsübersicht siehe Kindler 2002). Ebenso zeigten Untersuchungen, die nicht in Frauenhäusern, sondern an Stichproben aus der allgemeinen Wohnbevölkerung durchgeführt wurden, dass Partnergewalt und
Kindesmisshandlung auch hier häufig miteinander einhergehen. So fanden
etwa McCloskey & Stuewig (2001) bei Partnergewalt eine Rate von über vierzig Prozent betroffener Kinder, die vom Vater bzw. dem Partner der Mutter
körperlich misshandelt worden waren. In einer anderen Studie wuchs das Risiko einer Kindesmisshandlung umso mehr, je häufiger ein Mann Gewalt gegen die Partnerin ausgeübt hatte (Ross 1996). Von etwa 5 % bei einem gewalttätigen Ereignis pro Jahr stieg dieses Risiko auf nahezu 100 % bei Männern,
die fast wöchentlich gegen die Partnerin zu Gewalt griffen. In ähnlicher Weise
müssen Kinder, die Partnergewalt miterleben, auch häufiger als andere Kinder die Suchterkrankung eines oder beider Elternteile bewältigen (z.B. Dong
et al. 2004). Um also ein umfassendes Bild von Entwicklungsbeeinträchtigungen bei Kindern nach Partnergewalt zu bekommen, ist es notwendig auch
auf Gruppen von Kindern einzugehen, die sich mit einem Zusammenwirken mehrer Belastungsfaktoren in ihrem Leben auseinandersetzen müssen.