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Der Blick der Forschung
ȡ Die Qualität von Bindung zwischen Eltern und Kindern, nicht die bloße
Existenz von Bindung zum Kriterium machen und bedenken, dass Gewalt
selbst eine stark bindende Qualität besitzt, diese Bindung jedoch für das Kindeswohl ebenso wie für die Lebensgestaltung Erwachsener schädlich ist.
ȡ Eine fachliche Auseinandersetzung über Qualitätskriterien für gute Vaterschaft beginnen. Hier gilt es, Lücken zu schließen und allzu bescheidene
Kriterien zu ersetzen. Die bloße Tatsache, dass ein Mann sein Kind nicht misshandelt, ist ein zu geringer Maßstab für gute Väterlichkeit.
ȡ Eine Praxis entwickeln, die von klarer Verantwortlichkeit bei Gewalt ausgeht und Kontakt zwischen Vater und Kind so oft wie möglich unter sicheren
Bedingungen zulässt, jedoch darauf verzichtet, diesen um den Preis eines immensen Drucks auf Frauen und Kinder durchzusetzen.
Hinweise auf die Bedeutung von Intervention und Unterstützung für die
Prävention
Frühzeitige Information, Unterstützung und Intervention können hilfreich
sein, wenn Gewalt in Partnerschaften beginnt und es darum geht, zu verhindern, dass sie sich als Mittel der Auseinandersetzung etabliert bzw. Gewalt- und Unterdrückungsverhältnisse sich chronifizieren. Gewalt in Beziehungen eskaliert nicht nur in bestimmten Lebensphasen oder Situationen,
wie Schwangerschaft und Geburt bzw. Trennung und Scheidung, sondern
nimmt in vielen Fällen im Laufe der Jahre kontinuierlich an Häufigkeit und
Intensität zu. Eine solche Entwicklung gilt es auch im Sinne der Töchter und
Söhne in diesen Familien zu unterbrechen. Die Untersuchung zu Sicherheit,
Gesundheit und Lebenssituation von Frauen in Deutschland bestätigt die international diskutierte These vom engen Zusammenhang zwischen Gewalt in
der Kindheit und im späteren Leben. Gewalt in der Herkunftsfamilie wurde
sehr viel häufiger von Frauen genannt, die im Erwachsenenleben selbst der
Gewalt durch den Partner ausgesetzt waren. Diese Gruppe war in der Kindheit in erheblich größerem Ausmaß körperlich misshandelt und/oder sexuell
missbraucht worden bzw. hatte Gewalt in der Beziehung der Eltern miterlebt.
Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend körperliche Gewalt zwischen den
Eltern erlebt hatten, waren später doppelt so oft von Partnergewalt betroffen
als Frauen, die keine solchen Erlebnisse schilderten. Frauen, die in Kindheit
und Jugend selbst mehr als vereinzelte Gewalt durch Erziehungspersonen
erlitten hatten, berichteten dreimal so oft Gewalt in ihren Paarbeziehungen.
Frauen, die vor ihrem 16. Lebensjahr Opfer von sexuellem Missbrauch wurden, waren später doppelt so oft von Gewalt durch den Partner und - unabhängig vom Täter-Opfer-Kontext - viermal häufiger von sexueller Gewalt betroffen
(Schröttle/Müller 2004). Enzmann/Wetzels (2001) untersuchten die Bedeutung
innerfamiliärer Gewalt für das Sozialverhalten jungen Menschen und gehen
dabei auf häusliche Gewalt ein. Sie verwenden zwar einen sehr unscharfen