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Der Blick der Forschung
wurden selbst körperlich angegriffen (10%). Ein Viertel der Kinder versuchte,
die Mutter aktiv zu verteidigen, wohingegen deutlich weniger Kinder (2%)
sich nach Aussage der Frauen auf die Seite des gewalttätigen Partners stellte.
Etwas weniger als ein Viertel der Frauen vertrat die Ansicht, dass ihre Kinder nichts mitbekommen haben, andere (11%) waren sich nicht sicher ob die
Kinder von der Gewalt wussten (ebenda: 277). Bei der Betrachtung dieser Ergebnisse muss berücksichtigt werden, dass es sich um die Einschätzung der
Mütter handelt und Kindern nicht befragt wurden. Es ist jedoch z.B. aus der
pädagogischen Arbeit mit Mädchen und Jungen in Frauenhäusern bekannt,
dass die Annahme von Müttern, die Kinder wären aus dem Gewaltgeschehen
herausgehalten worden, sich im Gespräch mit den Kindern selbst als Illusion
erweist (vgl. Hagemann-White et al. 1981: 175 ff).2
Im Rahmen der Prävalenzstudie wurde eine Clusteranalyse mit 756 Fällen
durchgeführt. Sie zeigte drei Typen von Gewaltbetroffenheit auf:
(0+1) Einmalige oder geringe Häufigkeit/Intensität der Gewalt,3 (2) mäßige bzw. hohe Häufigkeit/Intensität, (3) sehr hohe Häufigkeit/Intensität
(Schröttle/Müller 2004, Anhang S. 42). Die Häufigkeit bzw. Intensität der Gewalt gegen die Mutter stand im Zusammenhang mit Familiengründung und
Kindern. Bei Cluster 3 hier könne wir von Misshandlungsverhältnissen
sprechen war die Häufigkeit und Intensität der Gewalt am höchsten. Sie
trat oft auf, nachdem das Paar geheiratet hatte und zusammengezogen war
und zudem deutlich häufiger im Kontext von Schwangerschaft und Geburt
der Kinder. Sie dauerte länger an, als in den anderen Clustern und nahm im
Laufe der Zeit an Häufigkeit und Intensität zu. Schließlich wurde die Gewalt
überwiegend durch Trennung und Scheidung (76% Cl.3 vs. 49% Cl.2 und 18%
Cl.1) und fast nie innerhalb der Paarbeziehung (3% vs. 14% vs. 30%) beendet
(ebenda: 45).
Der traditionelle familiäre Rahmen Zusammenleben, Eheschließung, Kinder bedeutet offenbar eine starke Bindung an den gewalttätigen Partner und
ein Hindernis, die Gewalt zu beenden. Gewalt eskaliert in diesem Muster bis
Trennung und Scheidung der einzige Ausweg sind, der allerdings keinesfalls
immer zu der erhofften Beendigung der Gewalt führt. Die Töchter und Söhne
in diesen Familien leben somit verhältnismäßig lange Zeit mit der Gewalt,
sind möglicherweise öfter selbst unmittelbar von Gewalt betroffen und haben
2 Im Vergleich dazu einige Ergebnisse der schwedischen Studie zur Häufigkeit und Verbreitung von Gewalt gegen Frauen. Sie weist aus, dass 53% der Frauen, die Gewalt in einer aktuellen
Partnerschaft erlebten, Kinder hatten, in 21% der Fälle waren es Kinder unter sieben Jahren. 41%
der Frauen, die Gewalt in einer früheren Partnerschaft erlebten, hatten Kinder, in 16% dieser Fälle
waren die Kinder unter sieben Jahre alt (Lundgren u.a. 2001: 136 ff). Der „Report on the National
Study of Domestic Abuse of Women and Men in Ireland (2005) stellt fest, dass in Familie, in denen Kinder leben, ein höheres Risiko besteht, dass schwere Gewalt in der Partnerschaft ausgeübt
wird. Dies galt sowohl für Frauen als auch für Männer, für geringere Gewaltvorfälle spielte das
Vorhandensein von Kindern keine Rolle (Watson/Parsons 2005: 145).
3 Der Index für die Schweregrade wurde aus folgenden Aspekten gebildet: Waffengewalt, Verletzungsfolgen, Kontrollverlust, Angst vor ernsthafter Verletzung.