2026-001/documents/arbeit/pages/302.md
KPG Mentor 0cec1b5740 feat: extract individual page markdown files from PDFs
Generated pages/ subfolders for all documents:
- arbeit: 386 pages
- praxis: 297 pages
- EPG: 11 pages

Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer.
Extracted using pdftotext.
2026-03-05 11:13:56 +00:00

47 lines
2.9 KiB
Markdown

Die Resultate zeigen eine gewisse Evidenz auf. Allerdings bleibt offen, ob
sich die Ergebnisse auf die vorliegende Situation übertragen lassen. Keine
der Studieninterventionen war für eine (lateinamerikanische)
Immigrantengruppe konzipiert. Deshalb sucht die Sozialarbeiterin nach
Ergebnissen über andere mögliche Interventionsformen wie z. B.
kognitive Verhaltenstherapie (KVT) oder eine medikamentöse Therapie
(vgl. ebd.:16).
Danach ist zu überprüfen, ob die im dritten Schritt vorgenommene
Bewertung sowie die eigenen praktischen Erfahrungen mit den Stärken,
Wertvorstellungen und Lebensumständen der Klientinnen in eine Passung
gebracht werden können.
Die Ergebnisse werden der Familie in einem Gespräch vorgestellt. Auch
wird erläutert, dass die Organisation keine der erwähnten Interventionen
anbieten kann, sie aber als Case Managerin an entsprechende
Einrichtungen verweisen kann. Die Eltern haben Bedenken gegenüber
einer medikamentösen Therapie, erachten die KVT nicht als geeignete
Methode zum Aufbau eines sozialen Unterstützungssystems und
entscheiden sich für ein Eltern-Gruppentraining (vgl. ebd.:17).
Abschließend ist die eigene Effektivität und Effizienz bei der Durchführung
der vier Schritte zu bewerten, evtl. gilt es nach Optimierungsmöglichkeiten
zu suchen.
Im Beispiel evaluiert die Sozialarbeiterin die Frage bezüglich Teilnahme
an einer Elterngruppe, die systematische Literaturrecherche, die
Bewertung der Studien zu den drei Interventionsmethoden bezüglich
Evidenz. Außerdem bewertet sie die Anwendung der Evidenz in ihrer
Arbeit mit der Immigrantenfamilie. Schließlich leitet sie
Verbesserungsmöglichkeiten für ihr nächstes EBP-Vorgehen ab (vgl.
ebd.:17).
Die Befürworter von EBP sind der Ansicht, dass mit dieser Methode u. a. die
Qualität der Entscheidungen, was hilfreich ist, verbessert wird. EBP setzt
voraus, dass es empirische Ergebnisse zu bestimmten Problemlösungen gibt
und dass Professionelle über die Kompetenz zum Auffinden, Bewerten und
Anwenden von wissenschaftlicher Evidenz verfügen. Am Beispiel von
Kindswohlgefährdung zeigt beispielsweise Kindler auf, was EBP in Bezug
auf Diagnostik und Intervention leisten und in welcher Weise die Praxis von
einer stärkeren Orientierung an empirischer Evidenz profitieren kann (vgl.
2007:92 ff.). Kritisiert wird in der Fachdiskussion u. a., dass EBP das
Theorie-Praxis-Transfer Problem zwar wieder thematisiert, aber nicht löst,
und dass Analyse und Diagnose vernachlässigt werden (indem
vorausgesetzt wird, dass die Fallthematik klar ist und dazu eine Frage
formuliert werden kann). Zudem wird bemängelt, dass EBP die
Strukturmerkmale der Sozialen Arbeit ( Kap. 3.2) kaum einbezieht,
sondern die Problemlösung auf einfache Handlungsanweisungen reduziert
und die Frage nach den Wirkungszusammenhängen auslässt (vgl.
Cloos/Thole2007:62 ff.; Forrer/Parpan/Wilhelm 2007:150 ff.). Wir
schließen uns dieser Kritik an, teilen aber auch die Ansicht, dass EBP im