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Verwirklichungsvorsatz, welcher Ziele von Wunschdenken unterscheidet
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(vgl. Possehl 2002b:2). Der Zielsetzung voraus geht ein längerer Prozess der
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Zielfindung, der einen analytisch-diagnostischen Prozess miteinschließt,
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welchen wir als äußerst bedeutsam erachten. Um den kooperativen
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Charakter einer Zielfindung zu unterstreichen, schreiben wir alternativ zu
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Zielsetzung auch von Zielvereinbarung.
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Es gibt sehr unterschiedliche Traditionen und Herangehensweisen für den
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Weg zu Zielen/um zu kommen. Man könnte sich die Metapher der Wikinger
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vorstellen, indem man einen guten Führer anheuert, der sich gestützt auf
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seine Erfahrung nach den ›Sternen‹ orientiert. Dies kann in
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Krisensituationen durchaus sinnvoll sein, wenn keine Zeit (mit langen
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Diskussionen) zu verlieren ist. Vorstellbar ist auch die Metapher der Titanic,
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bei der alles bis aufs kleinste Detail vorausgeplant wird, damit später nichts
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schiefgeht. Hier wird deutlich, dass eine gute Planung viele Kräfte sparen
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kann und man sich im Voraus eine Vorstellung über die verschiedenen
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Abläufe und Zusammenhänge machen muss. Wie die Erfahrung zeigt,
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weisen beide Herangehensweisen Schwachpunkte auf. Für die Soziale
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Arbeit scheint als Grundidee die Metapher Kolumbus sinnvoll. Zunächst
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wird ein globales Ziel bezeichnet, damit man die Richtung bestimmen kann.
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Man sollte ungefähr wissen, worauf man sich einzustellen und mit welchen
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Problemen auseinander zu setzen hat, damit man sich gut vorbereiten kann
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(z. B. Strömungen, Wellengang, Winde, menschliche Qualitäten, vorhandene
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Mittel etc.). Dann geht es darum, die Instrumente zu erwerben und zu
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besitzen, um täglich die Position neu bestimmen zu können (z. B. was war
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bis jetzt – wo sind wir im Moment – wie gehen wir weiter?). (Vgl.
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Hagmann/Simmen 2002:58 ff.)
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Wenn es um die Zielfindung geht, hilft die Metapher Kolumbus für die
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Steuerung des Schiffes nicht weiter, weil Menschen im Gegensatz zu
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Maschinen nicht instruierbar sind ( Kap. 3.2.3), sondern in eigenwilliger,
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manchmal auch sehr eigensinniger Weise möglichst autonom ihren
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Lebensalltag gestalten und deshalb eigene Ziele verfolgen wollen.
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Zusammen mit der prinzipiellen Ergebnisungewissheit und den teils
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prekären Erfolgsaussichten kommt daher dem Prozess der professionell
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durchgeführten Zielfindung eine hohe Bedeutung zu. Dabei ergibt sich ein
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Dilemma, das Thiersch (1993) mit dem Begriff der ›strukturierten
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Offenheit‹ beschrieben hat. Professionelle haben auf der einen Seite in der
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Offenheit von Praxisfeld, Auftrag und Aufgabengebiet Prioritäten zu setzen,
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bestimmte Strukturierungen vorzunehmen, die das Setting berücksichtigen
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und auf der anderen Seite auf die Besonderheiten des Falls einzugehen, um
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herauszufinden, was in dieser speziellen Konstellation für die
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Zielerreichung hilfreich sein könnte. Aufgrund der gewonnenen
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Erkenntnisse in Analyse und Diagnose sind mit den Klientinnen individuell
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Ziele zu entwickeln; gleichzeitig darf eine so erreichte Zielvereinbarung
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nicht als fixe Zielplanung verstanden werden. Dies würde die Dynamik von
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Situation und Problem zu wenig beachten wie auch die Folgen einer sich
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entwickelnden Arbeitsbeziehung. Wenn wir davon ausgehen, dass
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Klientinnen zu Beginn eines Unterstützungsprozesses eine gewisse
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(gesunde) Distanz zu den Professionellen einnehmen und viele
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Informationen zurückhalten – vielleicht weil ihnen deren Bedeutung zu
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Beginn eines solchen Prozesses gar nicht klar ist –, so können im Laufe
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einer gelingenden Arbeitsbeziehung gewonnene zusätzliche Kenntnisse zu
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