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auszufüllen, sich andererseits zugleich auf persönliche, emotional geprägte und nur begrenzt steuerbare Beziehungen einzulassen (vgl. ebd.:8). Die Bewältigung von Ungewissheit sehen Dörr/Müller als zentrale Herausforderung in Zusammenhang mit der Gestaltung von professionellen Beziehungen. Dabei dürfe Nähe und Distanz nicht missverstanden werden als bipolare Spannung zwischen der Nähe der engagierten Praktikerin und der Distanz der exzentrischen Beobachtungsstandpunkte wissenschaftlicher Reflexion (vgl. ebd.:14). Gefragt ist aus unserer Sicht vielmehr beides: Nähe, die auf einem intuitiven Zugang zu einem Klienten basiert und gegenseitige Vertrautheit und ganzheitliche Solidarität meint und Distanz als reflexives Abstand nehmen, Beobachten und theoriebezogen Reflektieren, mit dem Fokus auf den Auftrag und die Aufgabe, strukturierende Bedingungen zu schaffen. Zwischen beiden Polen oszillieren zu können Nähe in der Distanz und Distanz in der Nähe zu schaffen ist u. E. ein wichtiger Aspekt von Professionskompetenz. Nach Dörr/Müller (2007a:14,16) sind bei der Ausbalancierung von Nähe und Distanz drei Ebenen zu berücksichtigen: • Austarierung der Spannung zwischen persönlicher Nähe, solidarischer Akzeptanz und auch kritischer Distanz gegenüber Klienten und ihrer Lebenswelten (Ebene der Beziehung), • Fähigkeit zu selbstreflexiver Distanz von der eigenen Subjektivität, den selbstwertdienlichen Kognitionen und Bedürfnissen und von der eigenen Verstrickung in den Gegenstand (Ebene der Person), • Ausbalancierung der Spannung zwischen kritischer Distanz zu den Interessen der organisatorischen, infrastrukturellen und ökonomischen Voraussetzungen der Organisation mit ihren oft mangelhaften Strukturen einerseits und dem Umstand, selbst Akteur und Vertreter dieser Strukturen zu sein, andererseits (Ebene der Organisation). Müller betont, dass insbesondere die stationäre Kinder- und Jugendhilfe und u. E. ebenso die stationäre Behindertenhilfe vor der Herausforderung steht, die fachlich gewollte Alltagsnähe bewältigbar zu gestalten (vgl. 2007:149). Eine Konsequenz daraus ist die Institutionalisierung von Supervision, die einen sanktionsfreien Kommunikationsraum für Professionelle im Kollegenkreis bereitstellt und Problemdistanz ermöglicht, eine andere ist das Konzept des Arbeitsbündnisses. Arbeitsbündnis als Konzept beinhaltet nach Müller Arbeitsprinzipien und eine bestimmte Art professioneller Reflexion. Bei der Entfaltung dieses Konzepts in der Sozialen Arbeit gehe es um die Frage: »Wie werden die Bedingungen reflektierbar, die ermöglichen oder verhindern dass sich eine Intervention mit nicht vorhandenem, oder erzwungenem, oder erschlichenem oder nur diffusem Klientenmandat in ein klares und begrenztes Dienstleistungsbündnis verwandeln kann?« (Müller 1991:105, Hervorh. original). Müller legt unterschiedliche Möglichkeiten der Konzeptionalisierung des Arbeitsbündnisses dar. So kann dieses als Vertrag aufgefasst werden, der formelle Vereinbarungen der Zusammenarbeit beinhaltet (contracting); diese sozialtechnische Verwendung des Vertragsgedankens kann allerdings die Gefahr beinhalten, dass ein Klient mit seiner Unterschrift die Auslieferung an die einseitige Definitionsmacht