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die Kompensation entsprechender Ungerechtigkeiten« sei (2007:61 f.).
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Viele Theoretikerinnen der Sozialen Arbeit benennen die Autonomie der
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Klientinnen oder die allgemeine Autonomie der Lebenspraxis als zentralen
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Wert, den es zu fördern gilt (u. a. Oevermann 2013; Heiner 2004; Dewe et al.
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2001 – vgl. auch die Zusammenstellung bei Becker-Lenz/Müller 2009:60 f.).
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So bestimmen beispielsweise Dewe et al. Soziale Arbeit als Hilfe, »die in
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dialogischen Prozessen erbracht wird, und die auf die Wiedergewinnung
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und Steigerung der Handlungsautonomie ihrer Adressaten ausgerichtet
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ist« (2001:18). ›Achtung vor der Würde und dem Selbstbestimmungsrecht
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des Menschen‹ (vgl. Müller 1991:144), Anerkennung der Klienten als
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»Subjekt ihres Lebens« (Thiersch 2002:11) sind weitere Umschreibungen
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für die Autonomie der Lebenspraxis, welche die Soziale Arbeit unterstützt
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( Kap. 4.1).
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Rauschenbach/Zürcher (2012:169) stellen nach ihrer Durchsicht der
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aktuellen theoretischen Beiträge zur Sozialen Arbeit fest, dass sich derzeit
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drei Richtungen unterscheiden lassen. Die Soziale Arbeit reagiere im
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Wesentlichen – je nach theoretischem Entwurf in unterschiedlicher
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Betonung – auf drei soziale Tatbestände:
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• auf die ›Erziehungstatsache‹, die vielschichtiger werdenden
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Herausforderungen des Aufwachsens (in Schule, Familie und jenseits
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davon) und die unterschiedlichen Modalitäten der individuellen und
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gesellschaftlichen Reaktionen darauf,
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• auf soziale Probleme, alte und neue Ungleichheiten, Fragen der sozialen
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Integration und Desintegration, der Inklusion und Exklusion,
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• auf ›Risiken der individuellen Lebensführung und der alltäglichen
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Lebensbewältigung‹, also auf die durchschnittlichen sozialen Risiken, auf
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die Biografien und Lebensläufe und die damit einhergehende Gestaltung
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und Bewältigung von Lebenslagen.
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Vor diesem Hintergrund umreißen Rauschenbach/Zürcher die
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gesellschaftliche Bedeutung und fachliche Identität der Sozialen Arbeit in
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der Summe als »öffentliche Reaktion auf einen politisch anerkannten
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Hilfebedarf von Personen und Personengruppen – gleich welcher Art und
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welchen Alters – in modernen Gesellschaften« (ebd.). Und Thole (2012a:27)
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resümiert, ganz allgemein gehe es in der Sozialen Arbeit um »öffentlich
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organisierte Aufgaben der sozialen Grundversorgung, Hilfe, Unterstützung
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und Bildung durch fachlich einschlägig qualifizierte Personen«.
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Soziale Arbeit ist ein Moment innerhalb des Sozialstaatsprinzips, sie ist
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ausgerichtet darauf, soziale Gerechtigkeit in einer Gesellschaft sichern und
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die Würde von hilfebedürftigen Menschen und Gruppen wahren zu helfen
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und zur Bewältigung individueller Schwierigkeiten beizutragen. Sie leistet
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einen Beitrag zu sozialer Grundversorgung und Bildung, sie bietet
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Unterstützung in der Alltagsgestaltung und Lebensbewältigung an und trägt
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bei zu sozialer Integration. Im spannungsreichen Verhältnis zwischen
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Individuum und Gesellschaft vermittelt sie anwaltschaftlich für das als
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selbsttätig und autonom verstandene Individuum. Mit den Begriffen ›soziale
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Gerechtigkeit‹, ›soziale Integration‹ und ›Autonomie in der individuellen
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Lebenspraxis‹ sehen wir die Zielsetzung Sozialer Arbeit umrissen.
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In einzelnen Organisationen der Sozialen Arbeit wird dieser Auftrag der
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Profession in Hinblick auf eine Zielgruppe und/oder Problematik
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