2026-001/documents/praxis/pages/101.md
KPG Mentor 0cec1b5740 feat: extract individual page markdown files from PDFs
Generated pages/ subfolders for all documents:
- arbeit: 386 pages
- praxis: 297 pages
- EPG: 11 pages

Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer.
Extracted using pdftotext.
2026-03-05 11:13:56 +00:00

36 lines
2.8 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

Hochuli Freund
31.7.17 S. 101
Kooperation und Multiperspektivität
den will, den zu erreichen Mühe und Einsatz wert sind. Sofern die Ziele direkt
den Entwicklungsprozess einer Klientin betreffen sog. Bildungsziele sind ,
können sie nur von dieser selber formuliert werden (bzw. brauchen ihre Zustimmung); sie müssen wichtig und motivierend sein.
In der Interventionsplanung (vgl. ebd.:271ff.) wird überlegt, mit welchen
Mitteln und Vorgehensschritten diese Ziele angestrebt werden könnten, welche
Ressourcen genutzt und welche diagnostischen Erkenntnisse berücksichtigt
werden sollten. Hier gilt es, den Erfahrungsschatz des Klienten zu nutzen: Was
hat er in einer vergleichbaren Situation als hilfreich erlebt, was hat sich bewährt, was würde er gerne machen bzw. wo würde er Anstrengungen unternehmen, wenn er die entsprechende Möglichkeit erhält und Unterstützung bekommt? In der Interventionsdurchführung (vgl. ebd.:294ff.) ist die Aktivität
des Klienten wie auch der Professionellen gefragt.
Der Prozessschritt Evaluation (vgl. ebd.:309ff.) ist für eine Prozessgestaltung
unabdingbar, denn nur durch eine strukturierte Auswertung wird Lernen möglich: Nur so lässt sich feststellen, ob die Interventionen zielführend waren und
ob deren Grundlage die in der Analyse und Diagnose formulierten Hypothesen sich bestätigt. Auch hier ist es entscheidend, die Einschätzung der Klientin
einzuholen und dabei mit einer Haltung von Offenheit, Neugier und Wertschätzung die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass eine ehrliche Rückmeldung
möglich wird.
Die Perspektive der Klientin und des Klientensystems zu erfragen und zu erfahren, ist während einer gesamten Prozessgestaltung eine wichtige Aufgabe der
Professionellen der Sozialen Arbeit.
4
Verschränkung von Perspektiven in der
Kooperation
Menschen konstruieren Wirklichkeit auf ihre eigene, subjektive Weise. Die eine
Wirklichkeit gibt es nicht der Wirklichkeiten sind viele, und sie alle sind subjektiv konstruiert, geprägt u. a. von Biografie und Lebenslage derjenigen, die sie
konstruieren. So sehen Menschen Unterschiedliches, wenn sie beispielsweise
das Bild von Hollar anschauen (siehe 1.1. Abb. 14). Bei professionellem Handeln in der Sozialen Arbeit ist davon auszugehen, dass die Wirklichkeitskonstruktion der verschiedenen Beteiligten eine unterschiedliche ist und dass Problemdefinition, Anliegen und Ziele ganz verschieden sein können.
Professionalität bedeutet im Zusammenhang von Multiperspektivität zunächst, sich immer wieder die eigene Sichtweise bewusst zu machen. Statt sich
distanzlos mit den eigenen Einschätzungen zu identifizieren zu wissen, wie etwas ist und zu sein hat, was richtig ist und was falsch , gilt es vielmehr, immer
wieder Selbstdistanz zu gewinnen und sich die eigene Perspektive zu vergegen101