Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
53 lines
3.2 KiB
Markdown
53 lines
3.2 KiB
Markdown
erzählen und ihre Sicht der Dinge darzulegen. Sie können über ihre
|
|
Bemühungen sprechen, ihre Probleme zu meistern und darlegen, welche
|
|
Erfahrungen sie mit bereits erhaltener Hilfe gemacht haben. Es gilt dann zu
|
|
erkunden, auf welche Ressourcen Klienten zurückgreifen können und in
|
|
welches Hilfesystem sie eingebettet sind. In einer nächsten Phase werden
|
|
Klienten ermuntert, ihre Erwartungen an die Professionellen zu
|
|
konkretisieren, was zur Formulierung, Klärung oder Aushandlung eines
|
|
Auftrags führen kann und es wird das weitere Vorgehen besprochen.
|
|
Professionelle fassen zum Schluss des Erstgesprächs die Ergebnisse
|
|
zusammen und halten diese schriftlich fest).
|
|
Neben dem Erstgespräch ergeben sich im Laufe von
|
|
Unterstützungsprozessen verschiedene Möglichkeiten zu formellen und
|
|
informellen Gesprächen. In formellen Gesprächen werden ausgewählte
|
|
Aspekte wie z. B. Zielvereinbarungen, Zielüberprüfungen, besondere
|
|
Anliegen, Probleme etc. gemeinsam erörtert. Diese Gespräche können
|
|
gleichzeitig von beiden Kooperationspartnerinnen dazu verwendet werden,
|
|
neuste Informationen zur Aktualisierung der Situationserfassung
|
|
einzuholen. In Praxisfeldern der Sozialen Arbeit, in denen Menschen von
|
|
Professionellen in ihrem Alltag oder in Teilen davon begleitet werden,
|
|
ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten für informelle Gespräche, um
|
|
von Klientinnen en passant wesentliche Informationen zu erhalten. So kann
|
|
z. B. gerade bei gemeinsamen Aktivitäten, scheinbar nebenbei ein
|
|
geeigneter Rahmen geschaffen werden, in dem sich Klienten mitteilen,
|
|
möglicherweise weil die Machtasymmetrie zwischen ihnen und den
|
|
Sozialpädagogen in diesem Zusammenhang weniger spürbar ist. Wichtig ist
|
|
die ständige Dokumentation solcher Gespräche, damit deren Inhalt für alle
|
|
Beteiligten zugänglich bleibt.
|
|
|
|
8.4.2
|
|
|
|
Narratives Interview
|
|
|
|
In den letzten Jahren ist in der Sozialen Arbeit im Rahmen der
|
|
Biografieforschung das narrative Interview zu einer hilfreichen Methode
|
|
u. a. im Zusammenhang mit der Situationserfassung geworden, da es einen
|
|
direkten Zugang zur subjektiven Erlebenswelt von Klienten ermöglicht. Es
|
|
soll an dieser Stelle als Erfassungsmethode vorgestellt werden. Den
|
|
Bezugsrahmen des narrativen Interviews bilden Arbeiten zum
|
|
symbolischen Interaktionismus (Mead, Blumer) und zur
|
|
Phänomenologischen Soziologie (Schütz). Der Biografieforscher Schütze
|
|
(1983) geht davon aus, dass Erzählungen von Menschen im Alltag zunächst
|
|
Ausdruck selbst erlebter Erfahrungen sind, die für deren Alltagswirklichkeit
|
|
und Alltagshandeln konstitutiv sind. Wenn es nun im Zusammenhang mit
|
|
der Situationserfassung gelingt, einem Klienten Raum, Zeit und eine
|
|
Struktur zu einer sog. Stegreiferzählung zu geben, können wichtige Daten zu
|
|
seiner biografischen Identität gewonnen werden. »Das autobiografische,
|
|
narrative Interview erzeugt Datentexte, welche die Ereignisverstrickungen
|
|
und die lebensgeschichtliche Erfahrungsaufschichtung des Biografieträgers
|
|
so lückenlos reproduzieren, wie das im Rahmen systematischer
|
|
sozialwissenschaftlicher Forschung überhaupt möglich ist. (…) Das Ergebnis
|
|
ist ein Erzähltext, der den sozialen Prozess der Entwicklung und Wandlung
|
|
einer biografischen Identität (…) darstellt und expliziert« (Schütze
|