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Zustand (vgl. 1988:113). Dies bedeutet ein gewisser Grad an
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Auswahlmöglichkeiten, an Unvorhergesehenem, an Offenheit, an
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Unwägbarkeiten, an Möglichkeiten des Gelingens wie auch Scheiterns.
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Dadurch wird das Leben des Menschen, sein Werden fragil und er muss
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Strategien entwickeln, um sich vor Überraschungen, Unwägbarkeiten und
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dgl. zu schützen. Um nicht Gefühlen der Haltlosigkeit, Leere, Angst,
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Verzweiflung ausgesetzt zu sein, braucht der Mensch nach Knapp eine
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Sicherheit des Aufgehobenseins, die er mit den Begriffen Getragen- und
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Gehaltensein, Versorgtheit, Vertrauen und Anerkennung umreißt. Damit ist
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ausgedrückt, dass der Mensch von Grunde auf auf fremde menschliche Hilfe
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angewiesen ist; gleichzeitig bietet er andern Menschen Zuwendung, sowie
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ein Gehalten- und Aufgehobensein (vgl. 1988:136 ff.). Die beschriebene
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Fragilität wie auch Offenheit des Lebens, die über den Tod hinaus geht, lässt
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den Menschen sein Leben lang nach Sinn, Halt, Orientierung wie auch
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Transzendenz suchen. Zum Leben gehören demnach Religion und
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Metaphysik (vgl. Friedrich 2001:168).
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Vor dem Hintergrund dieser Angewiesenheit auf andere wird klar, dass
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Menschen im Laufe ihrer Entwicklung Aufgaben, Funktionen, Rollen zu
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übernehmen haben, die traditionellerweise von ihrer Umwelt
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wahrgenommen wurden. Diese Übernahme setzt vielfältige Lernprozesse
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voraus, in dem alle notwendigen Lebenszusammenhänge verstanden und
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entsprechende Kompetenzen für das Erreichen einer Lebenstüchtigkeit
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erworben werden müssen. »Die soziokulturell bedingte
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Erziehungsbedürftigkeit ergibt sich aus dem Faktum, dass der Mensch in
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eine natürliche, kulturelle, gesellschaftliche Umwelt hineingeboren wird
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und nicht alles, was er darin braucht, selbst entdecken und schaffen kann.
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Er braucht Naturalisations-, Enkulturations-, Sozialisations- und
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Personalisationshilfe« (Hamann 2005:124). Da zudem jedes Lebensalter
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kulturspezifische Entwicklungsaufgaben an den Menschen stellt, und jeder
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Wechsel von Aufgabe, (Berufs-)Rolle, Funktion, Zugehörigkeit etc.
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spezifische Kompetenzen erfordert, ist für den Menschen lebenslanges
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Lernen angesagt. Dies ist auch von der Natur her vorgesehen: Der Mensch
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hat die Aufgabe, sich letztlich zu seinem Ableben hin zu entwickeln.
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Entwicklung findet demnach immer statt, man könnte im Sinne von
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Watzlawicks Axiom (›man kann nicht nicht kommunizieren‹) sagen, ›man
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kann sich nicht nicht entwickeln‹.
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Mit den erwähnten Charakteristika des Menschseins wird deutlich, dass
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der Mensch von Beginn weg in Beziehung zu andern steht. Entwicklung ist
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immer als Co-Entwicklung zu verstehen, der Mensch steht in Beziehung zu
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seiner Umwelt.
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Aus den bisherigen Ausführungen ist zu erkennen, dass der Mensch als
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›freier Unfreier‹ betrachtet werden kann. Er ist einerseits fähig zur
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Selbstbestimmung, zur Übernahme selbstverantworteten Lebens, aber er ist
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gleichzeitig auch dazu gezwungen, will er überleben. Im Angewiesensein
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auf andere Menschen ist seine Freiheit beschränkt durch die Freiheit des
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andern, sie darf sich nicht auf Kosten des andern ausdehnen. Damit
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Menschen überleben, müssen sie in ausgewogenen Zuständen sein.
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Abweichungen werden als Bedürfnisspannungen registriert, die es
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möglichst schnell auszugleichen gilt. Dabei kann es sich um biologische (wie
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z. B. Hunger, Kälte, Sexualität), psychische (wie z. B. Angst, Ohnmacht) oder
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soziale Bedürfnisspannungen (wie z. B. soziale Isolation, Ohnmacht)
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