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bürokratischem Rechtshandeln und individuell ausgerichtetem,
lebensweltorientiertem und autonomieförderndem Unterstützungshandeln.
Diese Widersprüche immer wieder fallbezogen neu zu reflektieren ist eine
Anforderung an Professionelle der Sozialen Arbeit und zugleich ein
Qualitätsmerkmal von Professionalität. So sind in jedem Fall die
unterschiedlichen Erwartungen zu erfassen und kritisch zu beurteilen:
Fallverstehen ist die Basis für den Umgang mit dem Strukturproblem
doppelter Loyalitätsbindung. Auf der Handlungsebene ist es unabdingbar,
gegenüber Klienten den Kontrollauftrag transparent zu machen.
Die bisherigen Ausführungen machen deutlich, dass die Bezugnahme auf
das professionelle Selbstverständnis und auf wissenschaftliches Wissen
eine wichtige Orientierungshilfe ist für den Umgang mit der Doppelfunktion
von Hilfe und Kontrolle. Staub-Bernasconi hat dies unter dem Begriff
drittes Mandat in den Diskurs eingebracht (vgl. 2007:12 f.). Das dritte
Mandat ist dasjenige seitens der Profession. Es besteht aus zwei
Komponenten: aus der wissenschaftlichen Fundierung ihre Methoden und
den Handlungsleitlinien, die sich aus wissenschaftlichem Wissen ableiten
lassen, sowie aus dem Ethikkodex, den sich die Profession unabhängig von
externen Einflüssen selbst gibt ( Kap. 4.1.6.). Dieser »Weg vom beruflichen
Doppel- zum professionellen Triplemandat« (ebd.:12) ist zugleich ein
wichtiger Beitrag zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit, ist doch die
Bezugnahme auf wissenschaftliches Wissen ein wesentliches Merkmal eines
professionellen Selbstverständnisses ( Kap. 2.2.3.).
3.2.3
Geringe Standardisierbarkeit
Die Aufgabe der Sozialen Arbeit kann definiert werden als Unterstützung
von Individuen oder Gruppen bei Problemen der Lebensbewältigung und
der sozialen Integration. Ihr Gegenstand sind soziale Probleme, die sich auf
das Passungsverhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft beziehen (
Kap. 2.2.2). Die Implikationen der Bearbeitungsmöglichkeit dieser
Probleme stellen ein weiteres Strukturmerkmal Sozialer Arbeit dar.
Strukturelles Technologiedefizit
Soziale Probleme sind komplexer und anders geartet als technische
Probleme. Für letztere lassen sich standardisierte Lösungen finden, indem
Technologien entwickeln werden: Bei einer spezifischen
Problemkonstellation (A) wird mit einem definierten Verfahren (B) eine
bestimmte Wirkung (C) erzielt. In den Sozialwissenschaften allerdings
fehlen solche klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Soziale Prozesse
sind komplex und unvorhersehbar. Die Soziale Arbeit verfügt über keine
Technologien, mit denen Wirkungen planvoll hergestellt werden können.
Luhmann/Schorr haben diesen Umstand in einem viel beachteten Aufsatz
als das »strukturell begründete Technologiedefizit« des Erziehungssystems
bezeichnet (1982:14). Sie folgern daraus, dass die Suche nach objektiven
Kausalgesetzen in zwischenmenschlichen Beziehungen nutzlos sei, und
schlagen stattdessen vor, Komplexitätsreduktionen vorzunehmen und mit
fallbezogenen theoriegeleiteten Arbeitshypothesen zu operieren (vgl.