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Netzwerkkarte eine umfassende Analyse.
9.4.5
Soziogramm
Mit dem Soziogramm wird die soziale Dynamik in Gruppen untersucht. Es
fokussiert die Situation und Rolle eines Einzelnen in einer Gruppe, aber
auch Entwicklungen von Einzelnen in Gruppen wie auch von Teilgruppen
oder ganzen Gruppen. Gemäß Buttner (vgl. 2018b:315) geht es dabei vor
allem um die Analyse informeller Beziehungen und Gruppenstrukturen. Das
Soziogramm wurde in den 1930er Jahren von Moreno (1989) im Zuge der
Entwicklung der Soziometrie erarbeitet und fand Eingang in die klassische
Methode der Sozialen Gruppenarbeit ( Kap. 2.1.1, Kap. 6.1.2).
Professionelle beobachten, wie die Mitglieder einer Gruppe aufeinander
reagieren, wer wessen Nähe sucht oder ablehnt, welche Interessen,
Bedürfnisse, Werte einzelne zusammenführt oder trennt. Aus den
Beobachtungen wird versucht, die soziale Dynamik einer Gruppe
abzubilden und gemeinsam mit den Beteiligten besser zu verstehen, um
daraus hilfreiche Anregungen für Interventionen abzuleiten. So können
Beziehungsmuster, Koalitionen, Rollendispositionen wie auch alle Formen
des Engagements von Einzelnen in einer bestehenden Gruppe mit den
Beteiligten kritisch reflektiert werden. Da das Soziogramm jeweils die
aktuelle Situation in einer Gruppe abbildet, ist es nötig, in bestimmten
Zeitabständen ein neues zu erstellen (vgl. Neuffer 2013:195). Für die Arbeit
mit Gruppen stellt diese Methode ein wichtiges Instrument dar, das eine
genaue Beobachtungsphase mit guter Dokumentation voraussetzt. Eine
genaue Beschreibung dieser Methode findet sich bei Schwing/Fryszer (vgl.
2013:9499).
9.5
Quantitative Verfahren
In der Sozialen Arbeit gibt es mittlerweile eine ganze Reihe sog.
Assessment- oder Screening-Instrumente, die dazu dienen, rasch die
Problematik und den Unterstützungsbedarf in einem Fall zu erfassen. Es
handelt sich dabei um standardisierte, quantitative Analyseinstrumente, die
für Durchführung und Auswertung nur einen geringen Zeitaufwand
benötigen, da mit einem Kategoriensystem und Codierungen gearbeitet
wird. Manchmal wird dafür auch der Begriff Assessment genutzt, Cassée
bezeichnet sie als Messinstrumente (vgl. 2019:230). Vorbild hierfür sind
die Klassifikationssysteme, die in der Psychiatrie entwickelt worden sind
und seit langem international angewendet werden: die Internationale
Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) und das amerikanische
Diagnostische und Statistische Manual psychischer Störungen (DSM-IV). Für
die Soziale Arbeit von Bedeutung ist die Internationale Klassifikation der
Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF; vgl. dazu u. a.
Hochuli Freund 2018:70; Pantuček-Eisenbacher 2019:275 ff.)
Im Folgenden wird zunächst das allererste standardisierte, quantitative
Analyseverfahren in der Sozialen Arbeit das Person-In-EnvironmendClassification-System (PIE) skizziert, weil es das Ursprungsmodell