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Raw Blame History

1983:285 f.). Schütze geht davon aus, dass in der Stegreiferzählung Menschen ihre Lebensgeschichte so reproduzieren, wie sie sie erfahren haben und wie sie für das Herausbilden ihrer Identität maßgebend und somit auch handlungsrelevant ist (vgl. Bohnsack 2007:92). In der Stegreiferzählung kommt ein sog. Zugzwang des Erzählens zum Tragen. Nach Kallmeyer/Schütze (vgl. 1977:175 ff.) ist davon auszugehen, dass Klienten ihre Lebensgeschichte so erzählen, dass es für die zuhörende Sozialarbeiterin klar wird, wann die Erzählung oder Teilerzählung beendet, die Gestalt geschlossen ist (Gestaltschließungszwang). Durch die Begrenzung der Zeit wird der erzählende Klient die Erzählung verdichten, sich auf das Wesentliche beschränken, weil er die Gestalt schließen will (Relevanzfestlegungszwang). Im Zusammenhang mit der Situationserfassung scheint der Detaillierungszwang ganz wesentlich zu sein. Kommt der Klient auf für ihn relevante Ereignisse oder Erlebnisse zu sprechen, geht er detaillierter auf sie ein, um sie verständlich zu machen (vgl. Bohnsack 2007:93 f.). Dadurch werden Handlungs-, Entscheidungsund Verlaufsmuster sichtbar, die für das Verstehen von bestimmten Verhaltens- und Reaktionsweisen im Laufe eines Unterstützungsprozesses wichtig werden können. Etliche Autoren (Hermanns 1995, Schütze 1983, Rosenthal 1997) teilen das narrative Interview in verschiedene Phasen auf. Im Rahmen einer Situationserfassung unterscheiden wir zwischen einem Vorgespräch zur Vereinbarung und einem Narrativen Interview mit vier Phasen. In einem Vorgespräch geht es darum, der Klientin den Sinn eines solchen Interviews aufzuzeigen, sie zu gewinnen, aus ihrem Leben zu erzählen. Das narrative Interview, dessen Zielsetzung wie auch die Modalitäten werden vorgestellt. Klientinnen werden darüber informiert, dass das Gespräch auf Tonband aufgezeichnet wird und ca. 1.5 bis 2 Stunden dauert. Der Verwendungszweck wird geklärt, das Einhalten der Datenschutzbestimmungen wird zugesichert und eine Vereinbarung unterzeichnet. In einem zweiten Gespräch eröffnet die Sozialarbeiterin nach einer kurzen individuell anzupassenden Einstiegsphase das Interview mit einer erzählgenerierenden Eingangsfrage, um die Haupterzählung (Phase 2) zu initiieren. Diese Frage kann wie folgt formuliert werden: Möchten Sie mir ihre Lebensgeschichte erzählen, alles, was für Sie persönlich wichtig war und ist? (vgl. Griese/Grieshop 2007:26 f.) Eine Zusatzfrage könnte lauten: Wie haben Sie es geschafft, Ihr Leben bis zum heutigen Zeitpunkt selbstständig und ohne fremde Hilfe zu meistern? Dies ermöglicht der Klientin »ein Thema in deren eigener Sprache, in ihrem Symbolsystem und innerhalb ihres Relevanzrahmens entfalten zu lassen« (Bohnsack 2007:20 f.). Verschiedene Autoren plädieren im Gegensatz zu Schütze dafür, die Klientin nicht einfach erzählen zu lassen, sondern auch direkt nachzufragen und zu unterbrechen, Widersprüche anzusprechen, auf Ungereimtheiten hinzuweisen, nach Ressourcen zu fragen etc. Dies kann individuell unterschiedlich gehandhabt werden. Wir erachten es als wichtig, eine offene Haltung einzunehmen und im Sinne der Aussage von Meinhold (1987) So viel wie möglich hören so wenig wie möglich verstehen Erzähltes nicht bereits zu bewerten. Es kann sinnvoll sein, im Voraus eine Strukturierungshilfe zu erstellen, die die wichtigsten Stationen und Übergänge in einem menschlichen Leben enthält und auch Bezug nimmt zum Anlass, Auftrag, Thema oder Problem. Wenn die Klientin etwas