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Im Vergleich zu anderen Wissenschaftszweigen ist die Soziale Arbeit eine
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junge Disziplin. Das zeigt sich insbesondere darin, dass die akademische
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Ausbildung eine kurze Geschichte hat. In der Bundesrepublik Deutschland
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wird als Leitbegriff für das wissenschaftliche Feld teilweise auch
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Sozialpädagogik verwendet, in der Schweiz oft auch – verweisend auf den
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angelsächsischen Diskussionsstrang – der Begriff Sozialarbeitswissenschaft
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(vgl. u. a. Tohle 2012a:20; Chassée/von Wensierski 2004a:7).
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Mit dem Begriff Profession wird demgegenüber nicht einfach nur die
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›Praxis‹ der Sozialen Arbeit, das Handeln, gefasst (im Gegensatz etwa zur
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›Theorie‹ der Sozialen Arbeit). Der Begriff bezeichnet vielmehr die
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Berufsgruppe der hier tätigen Personen sowie die Orte und Institutionen
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des Praxissystems, des gesamten Arbeitsfeldes also, das Beratung,
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Unterstützung und Hilfe für bestimmte Klienten offeriert. Gemäß Thole
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wird mit dem Begriff Profession »das gesamte fachlich ausbuchstabierte
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Handlungssystem, also die berufliche Wirklichkeit eines Faches«
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beschrieben, der Begriff bezeichne »die Realität der hier beruflich
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engagierten Personen sowie die von ihnen offerierten Hilfe-, Beratungs- und
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Bildungsleistungen auf der Basis der von der Gesellschaft an sie
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adressierten Ansprüche und Wünsche« (2012a:21).
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Aufgrund dieser kurzen Umschreibungen von Disziplin und Profession
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zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Systemen.
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Professionen zeichnen sich aus durch Handlungsorientierung, sie zielen ab
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auf Veränderung von Situationen oder Personen. In der Disziplin hingegen
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ist Handlungsentlastetheit eine unabdingbare Bedingung für die
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Möglichkeit wissenschaftlicher Tätigkeit. Die Profession der Sozialen Arbeit
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zielt also auf Wirksamkeit – und dabei muss sie sich stets fragen, ob das
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Handeln dem Kriterium Angemessenheit genügt, d. h., ob es geeignet war
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oder nicht. In einer wissenschaftlichen Disziplin hingegen geht es darum,
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mittels Forschung, Produktion und Reflexion von Theorien Welt- und
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Gesellschaftsbilder zu kreieren und zu beeinflussen. Die Disziplin setzt auf
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Wahrheit und Richtigkeit, ihre Argumentationen müssen schlüssig sein (vgl.
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Merten 2013a; Merten 2002; Thole 2012a; Stichweh 1994). Abbildung 1
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von Merten fasst die Unterschiede zwischen Disziplin und Profession
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prägnant zusammen.
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Abb. 1: Differenz Disziplin – Profession (Merten 2002:44)
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Inwiefern diese beiden Systeme – Disziplin und Profession – in einem
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hierarchischen Verhältnis zu einander stehen (weil theoretisches Wissen
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höher zu bewerten ist) oder aber zwar divergent, aber gleichwertig sind,
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wird vielfach diskutiert. In der Sozialen Arbeit gilt das Verhältnis von
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Theorie und Praxis in besonderer Weise als problematisch. Die Kluft
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zwischen den Welten des beruflichen Alltags der Professionellen und des
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Wissenschaftssystems sei groß, konstatiert beispielsweise Schone (vgl.
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2008:981), das Verhältnis zwischen den Angehörigen der beiden Gruppen
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