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Hochuli Freund
31.7.17 S. 53
Denken und Handeln
chologen Daniel Kahneman ab, denn dieser weist auf die Gefahr unzulässiger
Vereinfachungen bei solch schnellem, intuitivem Denken hin und plädiert für
ein bewusst langsames Denken (Kahneman 2011). Innehalten und explizites,
vorausschauendes Denken sei beste Garantie für gutes Handeln und das Vermeiden von Fehlentscheidungen. Auch dieses, Gigerenzer gegenüber konträre
Konzept erscheint vielversprechend für die kritische Reflexion des Konzepts
KPG.
Mit Blick auf den erwähnten Zeitmangel im berufspraktischen Alltag lässt
sich ebenfalls die Frage stellen, ob angesichts des Handlungsdrucks eher ein
Denken im Nachhinein als nachträgliche Reflexion über das Fallgeschehen
wichtig ist, um die Qualität professionellen Handelns zu gewährleisten. Dann
würden Professionelle im Alltag zwar situationsbezogen intuitiv handeln, jedoch in der Lage sein, ihr Handeln im Nachhinein zu explizieren. Begründbarkeit professionellen Handelns meint bei diesem Zugang also Begründung im
Nachhinein. Im Diskurs zu methodisch-professionellem Handeln in der Sozialen Arbeit besteht Konsens dahingehend, dass die Fähigkeit zur Reflexion ein
zentrales Merkmal von Professionalität ist (siehe auch den Beitrag von Gebert
in diesem Band). Dazu gehört Selbstreflexion das Nachdenken über die eigene
Person, eigene Gefühle, allfällige Verstrickungen ebenso wie die fallbezogene
Reflexion, das Revue-passieren-Lassen des Fallgeschehens und des eigenen
Handelns (vgl. Hochuli Freund 2015:300f., 312). Dieser rückwärtsgewandte
Blick dient zum Verdauen, zum kritischen Hinterfragen, zum evaluierenden
Beurteilen oder zur nachträglichen Begründung des Handelns. Vereinzelt fokussieren theoretische Konzepte auch diese nachträgliche Reflexion (so etwa das
Konzept Schlüsselsituationen, vgl. Kunz et al. 2016) und beziehen sich dabei
vor allem auf Donald A. Schön.
Schön (1983, 1987) hat eine Praxis-Epistemologie (epistemology of practice)
entwickelt, die um den Begriff Reflexion kreist. Er war Professor für Urban
Studies und Education in Massachusetts. In Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Professionen (Design, Psychotherapie, Stadtplanung, Management, Soziale Arbeit) hat er sich mit der Frage befasst How Professionals
Think in Action (so der Untertitel des Buchs von 1983). Sein Ziel war beschreiben zu können, welche allgemeine Struktur den intuitiv wirkenden, kaum
in Sprache zu fassenden Handlungsentscheidungen von Praktikern zu Grunde
liegt. Schön hat mit dieser Praxis-Epistemologie den Diskurs über Professionalität in der Sozialen Arbeit entscheidend beeinflusst und bereichert. Eine vergleichende Auseinandersetzung mit seinem Konzept ist deshalb vielversprechend.
Im Folgenden werde ich jedes dieser drei Konzepte skizzieren und jeweils kritische Fragen und mögliche Folgerungen für das Konzept KPG daraus ableiten.
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