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Involviertheit der Professionellen als ganze Person
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Wir haben festgestellt, dass personenbezogene soziale Dienstleistungen auf
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die ganze, untrennbare Person eines Klienten bezogen sind. Zugleich ist
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auch die Sozialpädagogin als ganze Person in diese Arbeitsbeziehung
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involviert. Diese Beteiligung des Professionellen als ganze Person verweist
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noch einmal – und von einer anderen Seite her – darauf, dass
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professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit nicht auf die Anwendung von
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Methoden reduziert werden kann. Vielmehr stellt der Professionelle die
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Einheit von Theorie und Praxis in seiner Person, in seinem Handeln und in
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der Interaktion mit Klienten her (vgl. u. a. Gildemeister/Robert 1997:27).
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Von Spiegel bezeichnet diesen strategischen und reflektierten Einsatz der
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eigenen beruflichen Persönlichkeit mit »Person als Werkzeug« (2013:74).
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Bereits Alice Salomon hat die Persönlichkeit als »wesentliches
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Hilfsmittel« (Salomon 1926, zit. in Niemeyer 1999:133) bezeichnet.
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»Pädagogisches Handeln vermittelt sich – dies ist eine der ältesten
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pädagogischen Weisheiten – im Wesentlichen über die Person des
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Pädagogen« (Niemeyer 1999:153). Als Person tritt sie in Kontakt zu einem
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Klienten, verkörpert sie das institutionelle Angebot und gestaltet sie die
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professionelle Beziehung. In diese Beziehungsgestaltung fließt fachliches
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Wissen über Arbeitsbeziehungen mit ein, zugleich ist sie geprägt von der
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Persönlichkeit der Sozialarbeiterin.
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Einer weinenden Frau in einem Beratungsgespräch zuzuhören und sie zu
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trösten, in einem Jugendtreff in einen Streit einer Gruppe männlicher
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Jugendlichen, der in Gewalt auszuarten droht, einzugreifen – solche
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Situationen berühren die Emotionen eines Sozialpädagogen unmittelbar,
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und die Art und Weise, wie Sozialpädagogin A und Sozialpädagoge B
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handeln, hat viel zu tun mit deren biografischen Erfahrungen.
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Seit die Idee des ›geborenen Erziehers‹ verworfen und die Notwendigkeit
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von Ausbildung in der Sozialen Arbeit anerkannt ist, ist der Zusammenhang
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von Biografie und Professionalität in der Sozialen Arbeit ein Thema.
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Sozialarbeiter müssen in der Lage sein, eine reflexive Distanz zur eigenen
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Biografie herzustellen. »Eine auf die Profession bezogene biografische
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Selbstreflexion und Selbstdistanzierung bedeutet die kritische
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Auseinandersetzung mit den biografischen Anteilen im beruflichen
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Handeln, d. h. die kritische Auseinandersetzung mit sich selbst, mit dem
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eigenen Wissen sowie den eigenen Erfahrungen, Orientierungs-, Deutungsund Relevanzsystemen«, halten Grasshoff/Schweppe (2009:310) fest. Dies
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kann insbesondere während des Studiums eine große Verunsicherung mit
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sich bringen. Die »biografische Zumutung« (ebd.) beschränkt sich allerdings
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nicht auf die Ausbildung. Auch in der späteren beruflichen Tätigkeit ist die
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Konfrontation mit sich selbst, mit der eigenen Sicht auf die Welt und
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insbesondere den eigenen Gefühlen in der Begegnung und
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Auseinandersetzung mit Klienten nicht zu umgehen. Bereits 1964 hat Ruth
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Bang darauf hingewiesen, dass aus dieser Selbstbetroffenheit eine
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»Verantwortung des Sozialarbeiters sich selbst gegenüber, eine
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Verantwortung, die bewusst darauf gerichtet ist, Sorge dafür zu tragen, dass
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