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Modelle der Unterstützung für Mütter bei häuslicher Gewalt
Im Fall von Grit präsentierte sich die Mutter ähnlich „abgeklärt“ wie die Tochter. Grit würde sowieso immer lügen, der ginge es nur um ihre Freiheit und „ich geh ihr am Arsch vorbei“. Soll sie doch abhauen, „aber dann soll sie bloß nicht angekrochen kommen, wenn sie auf die Schnauze fällt“. Die Möglichkeit, „auf die Schnauze zu fallen“, ist sehr groß, weil sie sich immer die falschen Freunde aussucht. „Bestimmt kommt sie bald mit einem dicken Bauch an und will dann meine Hilfe.“ Ohne es zu merken hat Frau Christ ihre eigene Geschichte erzählt. Als sie auf diesen Umstand aufmerksam gemacht wird, kann sie ihre Ängste formulieren, dass ihre Tochter irgendwann einmal auf ein ähnlich „verpfuschtes Leben“ zurückblicken muss. Ganz allmählich, in ständiger Absicherung, dass sie sich nicht als Person abgewertet und verurteilt fühlt, fängt sie an über ihre verschiedenen Beziehungen, die schmerzlichen, z.T. gefährlichen Trennungen, die sie immer wieder viel Kraft gekostet haben, ihre immer wieder neuen Hoffnungen und ihre Enttäuschungen zu sprechen. Auf dieser Grundlage wird es ihr möglich, auch das Aufwachsen ihrer Kinder insgesamt und von Grit speziell mit einem empathischeren Fokus zu betrachten. Im nächsten gemeinsamen Gespräch tasten sich Mutter und Tochter sehr misstrauisch und voller Angst, sich zu verletzlich zu zeigen, aneinander an. Vorher wurde genau mit beiden abgeklärt, welche Inhalte der Einzelgespräche thematisiert werden dürfen. Es geht jetzt wesentlich darum, erst einmal eine neue Kommunikationsebene zwischen Mutter und Tochter zu etablieren, von dem gewohnten Muster Vorwurf - Gegenvorwurf wegzukommen und das Interesse an dem Erleben der Anderen zu wecken. Die Mutter sollte lernen, zu verstehen, wie ihre Tochter die Gewaltszenen erlebt hat und wie sehr sie dies auch als einen Akt gegen sich selbst wahrnahm: Die Selbstbezogenheit der Mutter, die Angst vor dem Partner. Für Grit war es auch besonders wichtig, dass ihr die Mutter ihre Wahrnehmung des Ausmaßes der Gewalt bestätigte, die ständige Bagatellisierung beendete. Unter diesen Umständen konnte die Mutter verstehen, dass es der Tochter unmöglich war, in den Haushalt ihrer Mutter mit dem Partner zurückzukehren. Sie machte aber auch deutlich, dass sie sich nicht trennen könne. Von daher musste ihr aufgezeigt werden, dass die Wahrnehmung von Grit, sie entscheidet sich gegen sie und für den Partner, stimmt und Grit ein Recht hat, darüber wütend zu sein und dies betrauert werden muss. Im Einzelgespräch mit Frau Christ im Anschluss an dieses Gespräch wurde ihr auf der einen Seite erklärt, dass ihr Entschluss, weiter mit dem gewalttätigen Partner zu leben, respektiert wird, andererseits wurden aber auch die möglichen Folgen für die kleineren Geschwister angesprochen. Außerdem wurde sie ausführlich über mögliche Hilfsangebote informiert. Nach Absprache mit dem Jugendamt konnte ihr zugesichert werden, dass ihre zuständige Sozialarbeiterin für weitere Gespräche in Bezug auf die kleineren Geschwister offen wäre und sie ihren Hintergrund dort offen in mögliche Interventionsüberlegungen einbeziehen kann.