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Unterstützung für Mädchen und Jungen bei häuslicher Gewalt

Immer wieder lief sie Gefahr, die erlebte elterliche Paarbeziehung in ihren eigenen Liebesbeziehungen zu reinszenieren, hatte eine panische Angst, so zu werden, wie der Vater, wenn sie in Wutausbrüchen von scheinbar grenzenloser Destruktivität überflutet wurde. Eine Zeitlang war sie fast besessen davon, ihre Nase operieren zu lassen , bis sich herausstellte, dass die eigene Nase sie an die Nase ihres Vaters erinnert. In ihrem Grundgefühl, der erlebten Familienhölle auch in ihrem eigenen Leben niemals entrinnen zu können, wurde sie phasenweise depressiv und wollte nicht mehr leben. Teile ihrer Erinnerungen waren traumatisch verarbeitet, d.h. nur in Fragmenten vorhanden und/oder gefühlsmäßig abgetrennt mit Empfindungen von Leere oder Betäubtheit. In Alpträumen tauchten Bruchstücke wieder auf. Diese junge Frau steht stellvertretend für viele, auch jüngere Patienten, die entweder selbst psychotherapeutische Hilfe suchen oder von ihren Müttern in psychologische Beratung oder Therapie gebracht werden. Im Kontext zurückliegender oder aktueller häuslicher Gewalt haben sich bestimmte Symptome entwickelt, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sind und den Alltag, die Schule, das Gefühl zu sich selbst und die Beziehungen zu Menschen belasten und beeinträchtigen. Meine derzeitige Tätigkeit als analytisch und tiefenpsychologisch arbeitende Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und meine davor langjährige Arbeitserfahrung in Frauenhaus und Beratungsstelle bilden die Quelle meines Erfahrungsberichtes über die Notwendigkeit, den betroffenen Kindern und Jugendlichen Hilfen zu geben . Die praktische Arbeit, das innerliche Mitgehen und die Suche nach dem Verstehen des Innenlebens meiner jungen Patienten sowie die Zusammenhänge mit familiendynamischen Faktoren, hier speziell die Misshandlung der Mutter, lösen manchmal Gefühle von Ohnmacht, Unverständnis und Hilflosigkeit aus. Neben Supervision und Intervision verhilft die theoretische Auseinandersetzung zu größerer innerer Distanz, größerem Verständnis dessen, was in der therapeutischen Situation teilnehmend mitgelebt und erlebt wird. Daraus können sich ein Verstehen und neue Handlungsperspektiven entwickeln.

Multiple Störungsbilder Die Symptomatiken, mit denen die kindliche und jugendliche Seele ihre innere Not und Überforderung nach außen artikulieren kann, sind sehr vielfältig: Die diagnostische Einordnung kindlicher Auffälligkeiten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt kann sich auf Störungsbilder erstrecken wie das sogenannte ADS (Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom), Schlafstörungen, Alpträume, depressiven Rückzug, Ängste, regressive Symptomatiken wie Einnässen, Daumenlutschen sowie somatische Beschwerden (Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Ess-Störungen) bis hin zu aggressiv-dissozialem Verhalten oder, als komplexe Begrifflichkeit, dem posttraumatischen Belastungssyndrom, in