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Kinder im Frauenhaus - Schutz, Unterstützung, Perspektiven
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Notwendig ist eine Diskussion über die Frage, ob neben Angeboten zur Stärkung und Unterstützung der Mädchen auch Angebote geschaffen werden,
die den im Frauenhaus lebenden Jungen die Chance bieten, einen tieferen Zugang zu ihren Gewalterfahrungen zu finden, einen veränderten Umgang mit
Konflikten und Aggressionen zu erlernen und sich selbstbewusst mit ihren
Wünschen und Bedürfnissen auseinander zu setzen, um zukünftig auf Gewalt
verzichten zu können. Hierbei ist zu überlegen, inwieweit die Einbeziehung
außerhalb des Frauenhauses tätiger männlicher Honorarkräfte für die Arbeit
mit den Jungen im Frauenhaus eine sinnvolle Ergänzung darstellen könnte.
Problematisch gestaltet sich nach wie vor die personelle Absicherung der
pädagogischen Arbeit mit den Mädchen und Jungen. Massive Mittelkürzungen zwangen uns in den vergangenen Jahren, in zunehmendem Maße
Praktikantinnen oder studentische Hilfskräfte für bestimmte Aufgaben einzusetzen. Es fehlt an pädagogischen Fachkräften, die auch in absehbarer Zukunft nicht finanziert werden können.
Ungelöst ist auch die bereits seit langem diskutierte Frage, wie „ältere Jungen“ unterstützt werden können, die in unserem wie auch in den meisten
anderen Frauenhäusern keine Aufnahme finden, wenn sie das 12. Lebensjahr
vollendet haben. Diese Situation ist für misshandelte Frauen mit älteren Söhnen prekär und verhindert nicht selten ein „Aussteigen“ aus dem Gewaltkreislauf (siehe Henschel in diesem Band).
Die Nichtaufnahme „älterer Jungen“ hat nachvollziehbare Gründe. Sanitäre Anlagen sind nur gemeinschaftlich nutzbar. Außerdem haben die Jugendlichen keinerlei Rückzugsmöglichkeiten. Ältere Jungen empfinden es
als schwierig und bisweilen auch als Stigmatisierung, wenn sie ausschließlich mit Frauen und Kindern zusammenleben müssen. Sie können von ihren
Freunden nicht besucht werden, und männliche Kontakt- beziehungsweise
Ansprechpartner fehlen als wichtige Identifikationsmöglichkeiten. Angebote,
die ihren Interessen und Bedürfnissen entsprechen, sind nicht vorhanden.
Hinzu kommt, dass es in nicht wenigen Frauenhäusern in der Vergangenheit
zu körperlichen, psychischen und sexuellen Übergriffen auf die im Frauenhaus lebenden älteren Mädchen und jungen Frauen kam.
Auch außerhalb der Frauenhäuser erhalten die von Gewalt betroffenen
Frauen und ihre älteren Söhne in der Regel keine gemeinsame Unterkunft
und nicht die Beratung, die sie benötigen. Die wenigen im Bereich der Zufluchtswohnungen existierenden Angebote beinhalten in den meisten Fällen
lediglich eine Unterbringung der misshandelten Frauen gemeinsam mit ihren
älteren Söhnen. Ihre finanzielle und personelle Ausstattung reicht allerdings
nicht aus, um die aus der männlichen Perspektive erlebte häusliche Gewalt
geschlechtsspezifisch aufzuarbeiten.
Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, die ältere Jungen während des Aufenthalts der Mutter im Frauenhaus aufnehmen, bieten eine solche Beratung
ebenfalls nicht. Wichtig ist deshalb ein Ansatz, der männlichen Jugendlichen
hilft, sowohl die Misshandlungen der Mutter als auch die eigene Betroffenheit