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Die Frage des Kindeswohls aus kinderpsychiatrischer Sicht
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durch immer wieder notwendige Wechsel der primären Betreuungsperson
aufgrund der elterlichen Suchterkrankung bedingt. Teilweise sind so genannte Patenschaftsmodelle als Lösungsversuche kontinuierlicherer Übergänge
mit wechselnder Intensität zwischen Pflegefamilie und Versorgung durch
die kranke Mutter beschrieben worden (vgl. Fegert und Ziegenhain 2003).
McCloskey und Bailey (2000) identifizierten bei einer Untersuchung von 179
Mädchen, im Durchschnittsalter von neun Jahren, die aus einer Stichprobe
von Familien stammten, die wegen bekannter häuslicher Gewalt als Hochrisikofamilien ausgewählt worden waren, bei getrennten Interviews mit Müttern und Töchtern, 18% Mädchen, welche sexuell missbraucht worden waren.
Mädchen, deren Mütter selbst Opfer von Missbrauch gewesen waren, hatten
ein 3,6-fach erhöhtes Risiko, auch missbraucht zu werden. Besonders schockierend war ein Ergebnis dieser Studie zum intergenerationalen Missbrauch
und häuslicher Gewalt. Hatten die Mütter selbst Missbrauchserfahrung und
ein Substanzkonsumproblem, insbesondere Drogenkonsum, dann hatten die
Mädchen ein 23,7-fach erhöhtes Risiko selbst missbraucht zu werden. D. h.
83% der Töchter aus dieser Untergruppe wurden sexuell missbraucht. Dies
zeigt, wie wichtig es ist bei der Frage des Kindeswohls in Fällen häuslicher
Gewalt unterschiedliche prognostische Faktoren zu gewichten und in einer
Gesamtsicht zusammenzufassen. Pears und Capaldi (2001) zeigten bei der
Untersuchung von 109 Eltern und ihren männlichen Kindern, dass die Eltern, welche selbst misshandelt worden waren, doppelt so häufig misshandelten wie Eltern, die ohne Gewalterfahrung aufgewachsen sind. Eltern, die
in verschiedener Weise misshandelt und missbraucht worden waren und dabei körperliche Gewalt erfahren hatten, zeigten das höchste Risiko selbst zu
misshandeln. Die Autoren entwickelten aufgrund ihrer multiplen Variablen
ein transgenerationales Modell zur Entstehung von Gewalt, bei dem die elterliche Misshandlungs- und Missbrauchsvorgeschichte statistisch Einfluss
auf drei Variablen hatte: frühe Elternschaft, elterliche Psychopathologie und
elterliches inkonsequentes Erziehungsverhalten. Diese drei Faktoren waren
wiederum statistisch signifikant mit der eigenen Bereitschaft, ihre Kinder zu
misshandeln korreliert, wobei eine wichtige Moderatorvariable frühe Entwicklungsprobleme der Kinder selbst darstellt.