2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-kinder-und-haeusliche-gewalt/pages/106.md

3.3 KiB
Raw Blame History

Zur Rolle von Schule und Verwandten

107

der Mitbetroffenheit variieren und von verschiedensten Faktoren abhängen kann. Edleson (2001) analysierte 36 Studien und kommt zum Ergebnis, dass zwischen 30 und 60 Prozent der Kinder, deren Mütter Gewalt von Seiten des Ehemannes/(Ex-)Partners erfahren, selbst auch misshandelt werden. Kinder können in verschiedenster Weise von der Gewalt des Vaters/Ex-Partners betroffen bzw. mitbetroffen sein (Hester et al. 2000, Mullender et al. 2002, Seith 2003). Der Lebensbeginn eines Kindes kann durch dessen gewaltsame Zeugung überschattet sein, für einen Teil der Mütter beginnt die Misshandlung bereits während der Schwangerschaft. Während die Schläge mancher Männer allein auf die Mutter abzielen, treffen diese zuweilen auch die Kinder selbst. Ein Teil der Kinder wächst in einem äusserst gewalttätigen Kontext auf, in dem sich die Gewalt sowohl gegen die Mutter als auch gegen die Kinder richtet. Auch wenn die Mütter in der Regel vieles unternehmen, um die Kinder vor Schlägen oder massiven Szenen zu schützen, so ist das Familienleben meist durch verschiedene Macht- und Kontrollmuster bestimmt, die zur Etablierung von Geschlechterhierarchien dienen. Es kann nicht oft genug daran erinnert werden, dass nicht nur die Phase des Zusammenlebens für Mütter und Kinder belastend ist, sondern auch der ›Ž——ž—œ™›˜£Žœœȱ™˜Ž—’Ž••ȱ›˜ΆŽȱ ŽŠ‘›Ž—ȱ‹’›ǯȱžœȱ’ŽœŽ–ȱ ›ž—ȱ’œȱŽ›ȱ Schutz vor Trennungsgewalt/Stalking unbedingt gesetzlich zu regeln, sollen die Opfer durch alle Stadien der Gewaltbeziehung hindurch, einschliesslich der Trennungsphase, effizient geschützt werden können. Untersuchungen belegen, dass in einem Drittel der Fälle, die der Polizei und Sozialdiensten bekannt werden, weitere Übergriffe sich während der Trennung ereignen und der Tatbestand des Stalking zutrifft (Seith 2000, 2003). Kinder können in der Phase der Trennung auf belastende Weise involviert werden, etwa wenn die gewaltbereiten Väter versuchen, die Kindsmutter an der Trennung zu hindern, sie die Familie mit Telefonterror belegen, in die Wohnung einsteigen, den Kindern auflauern, mit Kindsentführung drohen, sich nicht an die Besuchsrechtsregelungen halten und auch nicht davor zurückschrecken, der Mutter vor den Augen der Kinder massivste Gewalt zuzufügen. Obwohl Kinder und Jugendliche, die im Kontext von häuslicher Gewalt aufwachsen, besonderen Belastungen ausgesetzt sind, wurde dieses Problem von der deutschsprachigen Forschungsgemeinschaft bislang sträflich vernachlässigt. Die hauptsächlich in den USA durchgeführten Studien und Metaanalysen legen den Schluss nahe, dass zwischen 35 und 45 Prozent der Kinder, die Zeugen und/oder Opfer von häuslicher Gewalt werden, klinische Auffälligkeiten zeigen (Hughes et al. 2001). Umgekehrt bedeutet dies, dass ein beträchtlicher Teil dieser Kinder eine gewisse Resilienz entwickelt, womit die Frage nach den protektiv wirkenden Faktoren angesprochen wäre. Auch wenn in diesem Gebiet noch grosse Forschungslücken festzustellen sind, zeichnet sich ab, dass frühzeitige staatliche Interventionen, die geeignet sind, Schutz und Sicherheit zu Hause zu gewährleisten sowie Unterstützung durch informelle Netzwerke wie auch psychosoziale Angebote zur Bearbeitung des