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Der Blick der Forschung
der Untersuchungen und der Geburt soweit wie möglich die Kontrolle über ihre Situation behält. Schwangerschaft und Geburt bieten für gewaltbetroffene Frauen aber auch die Möglichkeit, den eigenen Körper durch die Fähigkeit, ein Kind aus eigener Kraft zu gebären, (wieder) positiv zu erleben. Die Sensibilität der begleitenden Fachfrauen gewinnt vor diesem Hintergrund eine große Bedeutung. Um schwangere Frauen kompetent zu begleiten und ihr sowie ihrem Kind Schutz und Unterstützung bieten zu können, ist ein Fachwissen über häusliche Gewalt und ihren Einfluss auf Schwangerschaftsverläufe und Geburtsvorgänge erforderlich. Eine entsprechende Sensibilität seitens der begleitenden Fachpersonen kann Frauen in der Schwangerschaft, während und nach der Geburt ermutigen, über Gewalterfahrungen zu berichten und Hilfe in Anspruch zu nehmen.
„Pro-aktive“ Interventionsansätze im Gesundheitsbereich Interventionsmodelle gegen Gewalt an Frauen - wie das S.I.G.N.A.L. - Interventionsprogramm41 - zielen auf eine bewusste Versorgung gewaltbetroffener Patientinnen und basieren auf folgenden Interventionsschritten:
Wahrnehmen von Gewalt Gewaltverursachte Verletzungen oder Beschwerden sind für Gesundheitsfachkräfte oft nicht eindeutig zu erkennen. Zu den Alarmzeichen, bei denen Fachkräfte auf jeden Fall aufmerksam reagieren sollten, gehören neben den für Anamnese und Diagnostik relevanten Indikatoren ebenfalls Verhaltensweisen von Patientinnen und Begleitpersonen, die einen Gewalthintergrund vermuten lassen. Es ist zu beachten, dass das Auftreten von gewaltbetroffenen Patientinnen sehr unterschiedlich sein kann: Patientinnen können depressiv, unsicher und eingeschüchtert wirken oder auch abwehrend und aggressiv reagieren. Ähnliches gilt für die Begleitperson: Der misshandelnde Partner entspricht entgegen verbreiteten Stereotypen häufig nicht dem Bild eines gewalttätigen oder dominanten Partners, sondern kann sehr besorgt und fürsorglich seiner Partnerin gegenüber auftreten.
41 Zum S.I.G.N.A.L.-Projekt liegt eine Veröffentlichung in Form eines praxisorientierten Handbuches und eines wissenschaftlichen Berichtes vor: Hellbernd H/Brzank P et al. (2004). Häusliche Gewalt gegen Frauen: gesundheitliche Versorgung. Das S.I.G.N.A.L. -Interventionsprogramm. Handbuch für die Praxis, Wissenschaftlicher Bericht. Gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin. www.bmfsfj.de/Kategorien/ Forschungsnetz/forschungsberichte,did=18204.html