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Der Blick der Forschung

wird vermutet, dass ein wiederholtes Miterleben von Partnergewalt die Lernbereitschaft bzw. Konzentrationsfähigkeit von Kindern untergräbt, so dass Rückstände in der kognitiven Entwicklung entstehen können, die dann über die Schuljahre hinweg den Schulerfolg erheblich beeinträchtigen können (z.B. Huth-Bocks et al. 2001). Zum anderen wird vermutet, von Partnerschaftsgewalt betroffene Kinder könnten im Hinblick auf Gleichaltrigenbeziehungen im Kindesalter, romantische Beziehungen im Jugendalter und Partnerschaftsbeziehungen im Erwachsenenalter weniger Fähigkeiten zu einer konstruktiven Konfliktbewältigung und eine höhere Bereitschaft zum Einsatz oder zum Erdulden von Gewalt erlernen und dadurch erheblich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt werden (z.B. Graham-Bermann & Hughes 1998). Bezüglich des angesprochenen kognitiv-schulischen Risikopfades fehlen bislang umfassende Längsschnittstudien, die Schritt für Schritt aufzeigen könnten wie miterlebte Partnergewalt die Konzentration und Lernbereitschaft, sowie nachfolgend den Schulerfolg beeinflusst. Allerdings wurde in mehr als 15 Einzelstudien Konzentrationsfähigkeit, Entwicklungsstand, Intelligenz und Schulleistung bei Kindern, die in der Vorgeschichte Partnergewalt hatten miterleben müssen, untersucht und mit Kontrollgruppen bzw. Normwerten (z.B. für die Intelligenz) verglichen. Im Mittel erbrachten diese Studien einen deutlichen ungünstigen Zusammenhang zwischen einem kindlichen Miterleben von Partnergewalt und der kognitiven Entwicklung (Kindler 2002, Kitzmann et al. 2003). Beeinträchtigungen zeigten sich sowohl bei der Konzentrationsfähigkeit (z.B. Becker & McCloskey 2002), als auch bei der Intelligenz (z.B. Koenen et al. 2003) und dem Entwicklungsstand bzw. der Schulleistung (z.B. Wildin et al. 1991). Der Effekt trat bei globalen und integrativen Maßen für die kognitive Entwicklung (z.B. globaler Entwicklungsstand, durchschnittliche Schulleistung) deutlicher zu Tage als bei speziellen Aspekten der abstrakten Denkfähigkeit (z.B. räumliches Vorstellungsvermögen). Eine englische Studie (Koenen et al. 2003) konnte zeigen, dass das Miterleben von Partnergewalt unabhängig von genetischen Einflüssen auf die Intelligenz zu einer Unterdrückung des intellektuellen Potenzials von Kindern führt, die umso stärker ausfällt, je häufiger Partnergewalt miterlebt wird. Einige Befunde verdeutlichen die lebenspraktische Bedeutung der negativen Wirkung von miterlebter Partnergewalt auf die kognitive Entwicklung. So fanden etwa Wildin et al. (1991) bei etwa 40 Prozent betroffener Kinder ernsthafte Entwicklungsrückstände oder bedeutsame Schulschwierigkeiten. In einer Studie von Mathias et al. (1995) wiesen über 40 Prozent der untersuchten Kinder in einem standardisierten Lesetest einen Fähigkeitsrückstand von einem oder mehreren Jahren auf. In der Untersuchung von Koenen et al. (2003) lag der mittlere Unterdrückungseffekt von miterlebter Partnerschaftsgewalt auf die Intelligenz bei acht IQ-Punkten und damit in einer Größenordnung, die umgekehrt durch Fördermaßnahmen nicht leicht zu erreichen ist. Noch etwas aussagekräftiger ist die Befundlage zu Zusammenhängen zwischen miterlebter Partnergewalt und Beeinträchtigungen der sozialen Ent-