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Der Blick der Forschung
In den ersten hierzu vorliegenden Untersuchungen wurde die globale Verhaltensanpassung von Kindern nach Partnergewalt mittels halbstandardisierter Befragungen von Frauenhausmitarbeiterinnen oder Müttern erhoben.
Hierbei wurde beispielsweise nach schwerwiegenden Verhaltensproblemen
gefragt. Im Ergebnis beschrieben Fachkräfte aus Frauenhäusern bei 30 bis 60 %
der von ihnen betreuten Kinder deutliche Verhaltensauffälligkeiten, während
weniger als ein Fünftel der einbezogenen Kinder unbelastet erschien (z.B. Jaffe et al. 1990; für eine Einschätzung aus Deutschland siehe Wurdak & Rahn
2001). In der größten vorliegenden Studie mit mehr als 40.000 einbezogenen
Kindern waren für die Fachkräfte bei etwa 40% der betreuten Kleinkinder (12 Jahre) emotionale Probleme erkennbar, gleiches galt für mehr als 50% der
älteren Kinder, die zu einem ähnlich hohen Anteil auch Probleme im sozialen
Verhalten zeigten (Lundy & Grossmann 2005).
Ergänzt wurden diese Untersuchungen im Lauf der Zeit zunehmend durch
Studien, in denen standardisierte Fragebögen zu kindlichen Verhaltensauffälligkeiten zu Einsatz kamen, beispielsweise der auch in Deutschland verbreitete „Verhaltensfragebogen für Kinder und Jugendliche“ (CBCL). Mit dem
Einsatz solcher Fragebögen stieg die Aussagekraft der Studien, da für diese
Fragebögen repräsentative Erhebungen und Normierungen zur Verfügung
stehen, die globale Einschätzung der Verhaltensanpassung auf der Grundlage
vieler Einzelangaben gebildet wurde und damit zuverlässiger war und Kontrollgruppen von Kindern, die keine Partnergewalt erlebt hatten, leichter einbezogen werden konnten. In der Regel wurden Zusammenhänge zwischen
miterlebter Partnergewalt und zwei Aspekten der globalen Verhaltensanpassung berichtet: Zum einen Zusammenhänge zu Verhaltensauffälligkeiten, die
in Form von Unruhe oder Aggressivität nach Außen gerichtet sind, und zum
anderen Zusammenhänge zu Verhaltensauffälligkeiten, die in Form einer ausgeprägten Niedergeschlagenheit oder Ängstlichkeit nach Innen gerichtet sind.
Nach Außen gerichtete Auffälligkeiten werden meist als „Externalisierung“,
nach Innen gerichtete Auffälligkeiten als „Internalisierung“ bezeichnet. Im
Ergebnis zeigte sich in neun Studien mit Kontrollgruppe, die bis Ende 2002
erschienen waren und in die mehr als 800 Kinder einbezogen worden waren,
für den Bereich der Internalisierung ein im Mittel stark ungünstiger Effekt
eines Miterlebens von Partnergewalt, für den Bereich der Externalisierung ein
im Mittel moderat ungünstiger Effekt (Kindler 2002). Seitdem sind weitere
Analysen erschienen, die diese Ergebnisse bekräftigt haben (z.B. Kitzman et
al. 2003). Um die Befunde einordnen zu können, ist es sinnvoll zum Vergleich
methodisch ähnliche Untersuchungen mit Kindern, die anderen Belastungen
ausgesetzt waren, heranzuziehen. Dabei fanden sich für ein Aufwachsen in
relativer Armut oder das Miterleben einer Scheidung der Eltern im Mittel
schwächere Zusammenhänge zu kindlichen Verhaltensauffälligkeiten, während das Erleben körperlicher Kindesmisshandlungen sich im Mittel stärker
negativ auswirkte. Von der Stärke der Effekte her in etwa vergleichbar war ein
Aufwachsen mit einem oder zwei alkoholkranken Elternteilen (Kindler 2002).