2.9 KiB
Partnergewalt und Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung
37
die zudem in ein Muster von Kontrolle und Abwertung der Partnerin oder des Partners eingebunden sind, sind dagegen seltener und werden überwiegend, wenngleich nicht ausschließlich, von Männern ausgeübt (z.B. Pan et al., 1994; Archer, 2000b; Johnson, 2001, Ehrensaft et al. 2004). Die vorliegende Forschungsübersicht über Entwicklungsbeeinträchtigungen bei Kindern, die Partnergewalt miterleben mussten, bezieht sich vor allem auf die zuletzt genannte Form von Partnergewalt, da diese Form im Mittelpunkt nahezu aller hierzu vorliegenden Studien steht. Es wurden also vor allem Kinder untersucht, die wiederholt schwere körperliche Gewalt und anhaltende psychische Gewalt des (sozialen) Vaters gegen die Mutter erlebt hatten. Generalisierungen der berichteten Befunde auf Kinder, die nur bei einer oder bei sehr wenigen Gelegenheiten eine nicht verletzungsträchtige Gewalt in Abwesenheit eines Musters psychischer Misshandlung erlebt haben, sind nicht ohne weiteres möglich. Der mittlerweile erreichte Forschungsstand stützt sich auf weltweit deutlich mehr als einhundert empirische Untersuchungen in die mehrere tausend betroffene Kinder einbezogen wurden (für Forschungsübersichten siehe z.B. Moffitt & Caspi 1998, Kindler 2002, Kitzman et al. 2003, Wolfe et al. 2003). Erste Arbeiten zu Kindern, die Partnergewalt miterleben mussten, erschienen im angloamerikanischen Raum in den 70er und 80er Jahren (z.B. Levine 1975, Moore 1975, Rosenbaum & O’Leary 1981). Am Ende der 80er Jahre konnten sich Fantuzzo & Lindquist (1989) in einer Übersichtsarbeit dann bereits auf 23 empirische Studien zu Folgen miterlebter Partnergewalt stützen. Seitdem hat sich die Rate jährlich neu erscheinender Veröffentlichungen beständig erhöht. Vorliegende Untersuchungen stammen vorwiegend aus den USA, Kanada, Neuseeland, Australien, Großbritannien und Israel. In der Bundesrepublik haben Übersichtsarbeiten von Kavemann (2000) und Heynen (2001), sowie mehrere Beiträge zur Situation von Kindern in Frauenhäusern (z.B. Winkels & Nawrath 1990, Bingel & Selg 1998) die Diskussion eröffnet. Qualitativ gute empirische Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum sind aber noch selten (für eine Ausnahme siehe etwa Enzmann & Wetzels 2001).
Entwicklungsbeeinträchtigungen bei Kindern nach Partnergewalt Als unbestimmter und umfassender Begriff können Entwicklungsbeeinträchtigungen in sehr unterschiedlicher Weise gefasst werden. Schwerpunkte der Forschung bei Kindern nach Partnergewalt waren bisher die Untersuchung der globalen Verhaltensanpassung und der kognitiven, sowie sozialen Entwicklung. Weiterhin haben sich mehrere Studien mit spezifischen Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit in Form posttraumatischer Belastungsstörungen beschäftigt. Dieser Bereich wird in der vorliegenden Arbeit aber ausgespart, da er an anderer Stelle im Handbuch eingehend erörtert wird (Strasser in diesem Band).