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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 60
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Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
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Fehlbeurteilungen könnten laut Kahneman vermieden werden, wenn Menschen
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lernen, die Intuitionen von System 1 zu ›disziplinieren‹ und die automatischen,
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manchmal falschen intuitiven Vorschläge von System 1 zu überprüfen (vgl.
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ebd.:152–154). Allerdings erfordere dies eine bewusste Entscheidung und koste
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Anstrengung, den Automatismus intuitiven Urteilens von System 1 zu unterbrechen. Nötig sei ein kurzes Innehalten, ein Verlangsamen: Bewusstes Denken
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brauche etwas Zeit! In einer Umgebung, die angemessene Möglichkeiten biete,
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dieses kurze Innehalten zu praktizieren, und die schnelle Rückmeldungen zur
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Angemessenheit von Gedanken und Handlungen gewährleiste, bestehe die
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Chance, wissens- und erfahrungsbasierte Intuition zu entwickeln (»skill eventually develops«, so Kahneman zurückhaltend; ebd.:416). Andernfalls würden
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vereinfachte Heuristiken gewählt, zufällig und unbewusst – und manchmal
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seien diese richtig, manchmal aber eben auch nicht. Wie aber können Menschen, wie können Professionelle solchen auf kognitiven Verzerrungen basierenden Fehlschlüssen vorbeugen? »There is no simple way for System 2 to distinguish between a skilled and a heuristic response. Its only recourse is to slow
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down and attempt to construct an answer on its own« (ebd.:416f.) Die Anzeichen von automatischen Fehlurteilen erkennen lernen – verlangsamen –, System 2 einschalten und aktiv denken, so lautet also Kahnemans Gegenmittel für
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den einzelnen Menschen (vgl. ebd.:417). Auf der organisationalen Ebene würden sich deutlich bessere Möglichkeiten bieten, denn hier könnten bestimmte
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Vorgehensweisen institutionalisiert werden. »Organizations can institute and
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enforce the application of useful checklists, as well as more elaborate exercises
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[…] also encourage a culture in which people watch out for one another as
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they approach minefields« (ebd.: 418) 4 Es müssten drei Stufen für Entscheidungsfindung etabliert werden: »the framing of the problem that is to be
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solved, the collection of relevant information leading to a decision, and reflection and review« (ebd.:418).
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3.3
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Vergleich mit Gigerenzer, KPG und Folgerungen
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Gigerenzer propagiert, dass dank Faustregeln (einfachen Heuristiken) ohne lange Informationssuche schnelle, genaue und gute Entscheidungen getroffen werden können. Demgegenüber thematisiert Kahneman Heuristiken im Kontext
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von kognitiven Verzerrungen. Der Unterschied zeigt sich schon in der Definition. »The technical definition of heuristic is a simple procedure that helps find
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3 Insbesondere Novizen in einem Fach würden anstelle von wissens- und erfahrungsbasierten Intuitionen unbemerkt oft vereinfachende Heuristiken von System 1 nutzen
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(z. B. Verfügbarkeits-Heuristiken, also jene Informationen verwenden, die leicht zugänglich sind, einem sofort in den Sinn kommen, oder Substitutions-Heuristiken, bei
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der eine schwierige durch eine einfache Frage ersetzt wird). Darin bestehe der entscheidende Unterschied zu wirklichen Experten (vgl. Kahneman 2011:135).
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4 Fehlbeurteilungen und Kurzschlüsse seien bei anderen viel einfacher zu erkennen als
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bei sich selber, so Kahnemans eher resignatives Fazit hinsichtlich der Möglichkeit,
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Fehlurteile zu vermeiden und zu guten Entscheidungen zu kommen.
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