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Hochuli Freund
31.7.17 S. 43
Anforderungen an professionelles Handeln
und ist untrennbar mit der Methodik verbunden. Auch das Modell an sich ist damit ein institutionalisiertes Gefäss zur Reflexion. Denn damit lässt sich überprüfen, inwiefern systematisch und methodisch strukturiert vorgegangen wird und um welchen Prozessschritt es aktuell geht. Letztlich kann beurteilt werden, ob die Gestaltung von Unterstützungsprozessen den genannten Anforderungen Rechnung trägt und als professionell eingestuft werden kann. Die Methodik trägt damit zur Optimierung und Professionalisierung des Handelns bei.
3.2
Ausdifferenzierung der analytischen Phase und neue Diagnose-Methode
Die Unterteilung des Hilfeprozesses in Teilschritte und einen vorgegebenen Ablauf ist eine rein analytische und idealtypische Vorgehensweise. In der Praxis sind die Übergänge fliessend und die Reihenfolge variabel. Doch gerade die exakte Unterscheidung der einzelnen Schritte macht eine besondere Qualität von KPG aus. V. a. bei den ersten drei Prozessschritten (Situationserfassung, Analyse, Diagnose) werden die Begrifflichkeiten in der Literatur sehr uneinheitlich verwendet und z. T. in wenigen Schritten zusammengefasst (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:177f.). Gemäss KPG geht es bei der Situationserfassung darum, keinerlei Bewertung vorzunehmen und Informationen neutral zu erfassen. Die Analyse ist anschliessend dafür notwendig, die Daten zu bewerten und zu gewichten, jedoch ohne etwas hineinzuinterpretieren. Erst bei der Diagnose geht es darum, den Sachverhalt besser zu verstehen und Erklärungsversuche anzustellen. Die bei KPG vorgenommene Aufteilung schafft begriffliche Klarheit und arbeitet wichtige inhaltliche Unterschiede heraus. Sie ermöglicht es, die Bereiche eindeutig voneinander abzugrenzen, und stellt für jeden der Schritte Qualitätsmerkmale auf (siehe Abb. 10). Eine solche schrittweise Trennung ist von grosser Bedeutung für das professionelle Handeln, um zu gewährleisten, dass nicht einzelne Schritte, z. B. das Verstehen, versehentlich ausgelassen werden. In der Praxis wird in der Regel direkt oder mit nur wenig analytischem Vorlauf agiert und es sind weitaus mehr Interventions-Kompetenzen vorhanden (vgl. ebd.:325). Dies zeigt sich auch in den typischen Handlungsproblemen von Studierenden bei der Auftrags- und Zuständigkeitsklärung, die bei der Situationserfassung erfolgen sollte, und bei diagnostischem Vorgehen, bei dem es z. T. schon am Verständnis für dessen Notwendigkeit scheitert (vgl. Becker-Lenz/ Müller 2009:324f.). Der altbekannte Spruch, dass man erst denken soll, bevor man handelt, scheint in der Sozialen Arbeit allzu oft keine Beachtung zu finden. Im Grundverständnis des Konzepts KPG ist das Prinzip, erst zu verstehen und dann zu handeln, fest verankert. Die klare Trennung der Schritte erleichtert dies und hilft dabei sich zu orientieren, die aktuelle Position im Prozess zu verorten und prozessschrittbezogene Aufgaben zu eruieren (vgl. Hochuli Freund/ Stotz 2015:229, 326).
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