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Sozialarbeiterinnen können allenfalls reagieren, wenn sie im Hilfeprozess
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aus fachlicher Sicht zum Schluss kommen, dass der Auftrag nicht mehr
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sinnvoll erscheint.
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So könnte sich im Fall des 85-jährigen Mannes in der ersten
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Beratungsstunde herausstellen, dass der Mann gar nicht ins Altenheim
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möchte, sondern mit seinen Kindern im Streit liegt, weil diese ihn
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bedrängen, ihnen endlich sein großes Haus zu überlassen. Es könnte in
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der Folge sinnvoll sein, in gegenseitigem Einvernehmen den Auftrag
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anzupassen. Die Sozialarbeiterin und der 85-jährige Mann vereinbaren
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eine längere Beratungssequenz unter Einbezug der Kinder. Daraus ergibt
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sich ein Prozesszyklus von drei, vier Monaten, der es erlaubt, einzelne
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Prozessschritte sorgfältig zu bearbeiten.
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Es kann sich vor allem in länger andauernden Unterstützungsprozessen
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zeigen, dass in verschiedenen Prozesszyklen gedacht und gehandelt werden
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soll. Ausgehend vom ausgehandelten Auftrag lässt sich zunächst ein
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langfristiger Zyklus ableiten. Dieser wird nach einem oder zwei Jahren
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abgeschlossen und evaluiert. Um zu verhindern, dass man sich ein oder
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zwei Jahre lang eher auf Nebensächliches konzentriert, dabei kostbare Zeit
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verliert und sich möglicherweise ungeeignete Interaktionsmuster
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einschleichen, scheint es sinnvoll, sich gleich zu Beginn nach einer kurzen
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Beobachtungs- und Eingewöhnungsphase auf erste Zielsetzungen zu
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einigen, entsprechende Interventionen zu planen, durchzuführen und diese
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in bestimmten Intervallen auszuwerten. Neben der langfristigen
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Prozessgestaltung von ein bis zwei Jahren findet gleichzeitig eine
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mittelfristige statt z. B. im zeitlichen Rahmen von einem Vierteljahr. Aus der
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Evaluation nach drei Monaten können möglicherweise kurz- und
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mittelfristige Folgerungen abgeleitet werden.
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Im Falle der 42-jährigen Frau betrachten die Professionellen zusammen
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mit der Bewohnerin in den dreiwöchentlichen Sitzungen des
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intraprofessionellen Teams – die von der Organisation laut Konzept so
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vorgesehen sind – wie es ihr geht, welche Ziele sich bewähren und
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allenfalls angepasst werden sollen.
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Das heißt nichts Anderes, als dass neben der lang- und mittelfristigen
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Prozessgestaltung in sinnvoller Weise ein kurzfristiger Prozesszyklus
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eingebaut wird, der es erlaubt, relativ rasch auf Veränderungen einzugehen
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oder auch die Weiterarbeit zu bestätigen. Wenn es um Belange des Alltags
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geht, so ist davon auszugehen, dass es daneben wöchentliche, tägliche,
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stündliche, minütliche Prozesszyklen professionellen Handelns gibt.
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So kann es im obigen Fall geschehen, dass die Bewohnerin am zweiten
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Tag nach einer Aufforderung, ihr Geschirr in die Küche zu tragen, mit
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einem Schimpfwort den Tisch verlässt, sich im WC einschließt und dort
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laut zu schimpfen beginnt, das habe sie zuhause nie machen müssen. Es
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leuchtet ein, dass nicht die nächste Teamsitzung in zehn Tagen
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abgewartet werden kann, bis eine Intervention entworfen und mit der
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Klientin abgesprochen werden kann. In diesem Moment hat die
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diensthabende Sozialpädagogin innert Sekunden eine
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Situationserfassung und -einschätzung vorzunehmen und für sich ein
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